Versicherung per Handy

In Kenia treibt der Mobilfunk immer neue Innovationen voran.

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Kürzlich war ich in Kenia. Was mir dort besonders aufgefallen ist, war die Omnipräsenz des Mobilfunks. Prepaid-Karten gibt es auf dem kleinsten Markt. Der Strom kann schon mal einen halben Tag lang ausfallen – das Mobilfunknetz ist stabil und noch auf der abgelegensten Lodge zu empfangen. Die Logos der beiden großen Provider Safaricom und Airtel prangen so häufig auf Häusern, Hütten und Baracken wie sonst höchstens noch das von Coca Cola.

Beinahe ebenso oft zu sehen ist das Logo von M-Pesa. Dies ist ein Dienst von Safaricom, mit dem sich per SMS Geld überweisen lässt – und zwar ohne eigenes Bankkonto. Wir haben bereits 2007 über die Einführung von M-Pesa berichtet, und schon damals zeichnete sich ab, dass M-Pesa erfolgreich sein würde. Dass es sich aber tatsächlich so flächendeckend verbreitet hat, war für mich dann aber doch überraschend. Im April 2011 benutzten laut Safaricom allein in Kenia rund 14 Millionen Menschen M-Pesa – mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Bei landesweit etwa 30.000 Agenten können die Kunden Bargeld auf ihr M-Pesa-Konto einzahlen oder abheben.

Ursprünglich sollte das System vor allem Menschen ohne Bankverbindung ermöglichen, die Raten ihrer Mikrokredite zu bezahlen, ohne mit viel Bargeld durch das Land reisen zu müssen. Mittlerweile setzen immer neue Dienstleistungen auf diese Zahlplattform auf. Die UAP-Insurance etwa bietet ab zwei Dollar pro Monat eine Unfallversicherung an, die sich bequem per Mobiltelefon buchen und bezahlen lässt. Die persönlichen Daten werden bei der Anmeldung direkt aus dem M-Pesa-Account übernommen. Auch die gesamte Schadensabwicklung läuft über das Handy. Es sind dafür keine Formulare, keine Versicherungsvertreter und keine Filialen mehr nötig. Die Versicherung verspricht sich davon laut einem Bericht der Wochenzeitung „The EastAfrican“, die Verwaltungskosten um 60 Prozent senken und Millionen neuer Kunden gewinnen zu können. Erst drei Prozent der Kenianer sind laut „East African“ überhaupt versichert. In der ersten Woche nach Einführung des Angebots haben sich nach Unternehmensangaben bereits 4000 Kunden bei UAP angemeldet.

M-Pesa ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie eine Innovation den Boden bereiten kann für ein ganzes Biotop weiterer Neuerungen. Und dafür, dass Technik in den Schwellenländern nicht einfach eine rustikalere Variante des westlichen Hightechs ist, sondern ganz eigene, mitunter sehr elegante Lösungen hervorbringt. (wst)