Paul Allen: Singularität lässt auf sich warten

Für den Mitbegründer von Microsoft ist der Punkt, an dem Maschinen die Menschen überholen, noch weit weg.

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Für Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft, ist die Singularität, jener Punkt in der Technikgeschichte, an dem Maschinen die Menschen überholen sollen, noch weit weg. Denn Neurowissenschaft und KI-Forschung komme mit der Komplexität der Aufgabe nicht zurande, schreibt Allen in einem Essay in der Online-Ausgabe von Technology Review.

Futuristen wie Vernor Vinge und Ray Kurzweil sagen seit Jahren voraus, dass die Welt sich rasant auf einen Wendepunkt zubewegt. Am Punkt der Singularität würden die sich immer schneller entwickelnden Fähigkeiten von immer intelligenteren Maschinen den Menschen überholen. Mit dem aus der Mathematik entlehnten Begriff der Singularität wollen Vinge und Kurzweil ausdrücken, dass jenseits dieses Punktes Prognosen über die menschliche Zukunft unmöglich werden. "Denn dann werden die Maschinen eine solch übermenschliche Intelligenz besitzen, dass wir uns nicht annähernd ausmalen können, wie sich unser Leben verändert", schreibt Allen.

Der Microsoft-Mitbegründer, der heute unter anderem die Vulcan Inc. führt und als Investor tätig ist, glaubt aber nicht daran, dass es bald soweit ist. "Um die Singularität zu erreichen, genügt es nicht, die heutige Software einfach nur schneller laufen zu lassen. Wir bräuchten auch intelligentere, fähigere Programme. Voraussetzung hierfür wäre aber ein wissenschaftliches Verständnis der Grundlagen menschlicher Erkenntnis. Hier kratzen wir gerade erst an der Oberfläche."

Es sei genau dieses fehlende Verständnis, das ihn daran zweifeln lasse, die Singularität sei nah. "Sicher, Hardware kann sich erstaunlich schnell entwickeln, wenn erst einmal ein solides wissenschaftliches Gerüst und neue ökonomische Anreize existieren. Um eine Maschinenintelligenz auf Singularitätsniveau zu bauen, bräuchten wir allerdings einen massiven wissenschaftlichen Fortschritt." Der habe mit dem Mooreschen Gesetz nicht viel zu tun. "Um eine entsprechende Software entwickeln zu können, müssten wir nicht nur wissen, wie das menschliche Gehirn physisch aufgebaut ist, sondern auch, wie die Milliarden Neuronen miteinander interagieren und dabei Denken und Bewusstsein hervorbringen."

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(bsc)