Was lernen
In drei Minuten kann man verdammt viel vermitteln. Und das kann auch noch SpaĂź machen.
Möglicherweise haben Sie sich schon über die Menschen gewundert, die seit vergangener Woche die rechte Randspalte bevölkern. Wenn nicht - es soll ja immer mehr INternet-Neutzer geben, deren Bewusstsein bewegte Bilder auf Bannerplätzen rückstandsfrei ausfiltert - gestatten Sie mir vielleicht, ihre Aufmerksamkeit kurz auf diesen Bereich unserer Seite zu lenken.
Mit den Bannervorlesungen werben sieben Professorinnen und Professoren für das Studium in Niedersachsen - und natürlich für ihre Studiengänge. Dabei erzählen sie in je drei Minuten verblüffend viel Wissenswertes, beispielsweise über Erneuerbare Energien, LEDs und Laser, lebenslanges Lernen oder die Evolution des Sozialverhaltens. Un der Banner-Raum selbst wird zur Bühne umfunktioniert.
Als ich die Kampagne das erste mal gesehen habe, dachte ich spontan: Na also, geht doch. Jetzt scheinen auch ordentliche Professoren verstanden zu haben, dass die Vermittlung von Wissen ganz stark ĂĽber die Erzeugung von Aufmerksamkeit getriggert wird - moderne Formen der Wissenschaftskommunikation wie Science Slams also mehr sind, als Klamauk geltungssĂĽchtiger Doktoranden.
Die Geschichte hat allerdings zwei klitzekleine Schönheitsfehler: Zum einen ist die Kampagne nicht in einer Universität entwickelt worden, sondern in einer Werbeagentur, mithin also nicht von Wissenschaftlern sondern von Verkaufsprofis, die den ganzen Tag über nichts anderes nachdenken, als irgendetwas maximal positiv darzustellen. Und außerdem wird auch die schönste Kampagne nichts daran ändern, dass alle, die zur Zeit ernsthaft mit dem Gedanken spielen, ausgerechnet in Niedersachsen zu studieren, ziemlich hart auf dem Boden der Realität aufprallen: Im Wintersemester 2012 hat hier nämlich nicht nur die Abschaffung der Wehrpflicht die Studierendenzahlen in die Höhe getrieben, sondern auch der durch die Verkürzung der Oberstufe auf 12 Jahre erzeugte doppelte Abiturjahrgang. Und neben Bayern ist Niedersachsen das einzige Bundesland, in dem noch Studiengebühren verlangt werden, obwohl die Finanzierung der Unis hier auch nicht besser funktioniert, als anderswo.
(wst)