Personalabteilung in der Cloud
Das US-Unternehmen ADP verwaltet seit vielen Jahren Kundendaten auf eigenen Servern. Nun werden sie erstmals vernetzt.
- Brian Bergstein
Das US-Unternehmen ADP verwaltet seit vielen Jahren Kundendaten auf eigenen Servern. Nun werden sie erstmals vernetzt.
Das Cloud Computing erlaubt ganz neue Geschäftsmodelle, zwingt Firmen aber auch dazu, aggressiver um ihre Kunden zu kämpfen. Gut sichtbar ist das bei Automatic Data Processing (ADP), einem der größten Outsourcing-Anbieter auf den Gebieten Lohnbuchhaltung und Personalwesen.
Schon seit Jahren bietet das US-Unternehmen Lösungen an, die auf eigenen Servern laufen: Firmen laden Informationen über Angestellte bei dem Dienstleister hoch und der verwaltet diese dann und wertet sie aus. So werden beispielsweise die Löhne jedes sechsten amerikanischen Angestellten durch ADP verarbeitet. Die Firma sammelt aber auch Bewerberdaten, berechnet Versicherungsgebühren und übernimmt die Zeiterfassung.
Traditionell wurde jeder dieser Dienste einzeln gemanagt. Informationen über einen Angestellten in einer dieser Datenbanken waren in einer anderen nicht nutzbar. Ein Personalmanager bei einem Kunden musste Daten deshalb an mehreren Stellen eingeben: Die Versicherungsabrechnung "sprach" beispielsweise nicht mit der Arbeitszeiterfassung. Das war ineffizient und erlaubte Konkurrenten, in diese Lücke vorzustoßen – mit Kombidiensten. Dank Internet-Technik wird das immer einfacher: Laut einer aktuellen Studie unter 444 Personalern auf der ganzen Welt, durchgeführt von Towers Watson, planen 54 Prozent die Nutzung von Cloud-Angeboten oder setzen sie bereits ein. Die Auswahl ist groß – von traditionellen Firmen wie SAP und Oracle bis hin zu Start-ups wie Workday.
ADP hat deshalb inzwischen Code entwickelt, der die verschiedenen Teile seiner Personal-Software vernetzt, so dass sie in ein und derselben Cloud laufen – mit einem einzigen Online-Interface, das alle Anwendungen kontrolliert. Diesen Monat startete ADP das System namens Vantage offiziell. Für die größten Kunden soll es künftig zum zentralen Produkt werden, meint ADP-IT-Chef Mike Capone.
ADP plant aber auch noch weitere Cloud-Anwendungen. Derzeit landen die Kundeninformationen noch im eigenen Rechenzentrum – als eine Art Privatcloud. "Das ist alles so wichtig für uns, dass wir es selbst betreiben wollen." Capone kann sich aber auch vorstellen, in den nächsten fünf bis sieben Jahren auf öffentlich verfügbare Cloud-Angebote zu setzen, wie sie etwa von Amazon offeriert werden – wenn sie sich wirtschaftlich tragen und sicher genug sind.
Dann könnte auch ADP das Management seiner Infrastruktur aufgeben. "Wenn ich heute meine eigene Firma anfangen würde, hätte ich wohl niemals mein eigenes Rechenzentrum gebaut", räumt Capone ein.
Fragt sich nur, was die Kunden von ADP davon halten, wenn ihre Personaldaten outgesourct werden. D. J. Vail, Controller bei Education Affiliates, einem ADP-Kunden mit mehr als 4000 Angestellten, sieht das nicht als Problem. Schon jetzt setze das Unternehmen selbst auf Cloud-Dienste. "Da liegt die Zukunft." Und egal welche Rechner ADP nutzt, die Firma ist vertraglich verpflichtet, für Sicherheit und Verlässlichkeit zu sorgen. "Solange wir hier diese Zusagen erhalten, ist das für uns genug", meint Vail. (bsc)