Autostopp per iPhone

Immer mehr Reisende finden passende Mitfahrgelegenheiten im Netz. Dabei kommen vermehrt Apps zum Einsatz.

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Von
  • dpa

Hohe Benzinpreise, Verschleiß am Auto und stundenlanges Sitzen – Langstreckenfahrten mit dem Auto sind vor allem alleine kein Vergnügen. Mitfahrzentralen vermitteln bereits seit den 50er Jahren freie Plätze in Autos. Früher waren die Börsen Vermittlungsbüros in Großstädten, heute halten die Mitfahrer ihren Daumen im Internet aus dem Fenster. Spezielle Plattformen vermitteln im Netz kostenlos zwischen Anbietern und Suchenden.

Bisher sind die Mitfahrzentralen allerdings auf die Vermittlung längerer Fahrten spezialisiert – mit einer gewissen Vorlaufzeit. Spontanreisende finden dort nur schwer Mitfahrer. Die Plattform Flinc versucht, dieses Problem mit einem neuen Ansatz zu lösen: Das Portal funktioniert wie ein soziales Netzwerk, das soll Vertrauen zwischen Fahrer und Mitfahrenden schaffen. Unterwegs weist eine iPhone-App per Push-Benachrichtigung auf mögliche Fahrtoptionen hin.

Im Normalfall sind die Online-Portale kostenlos. Nur für Premium-Accounts mit mehr Optionen wird manchmal ein kleiner Betrag erhoben. Doch es gibt auch schwarze Schafe: Die Verbraucherzentrale Sachsen warnte im September vor einer solchen Seite. Diese sehe aus wie ein kostenloses Angebot, beim Ausfüllen des Anmeldeformulars schließt der Nutzer aber eine Zweijahresmitgliedschaft zum Preis von 132 Euro ab. "Das freilich erfährt der Nutzer nur, wenn er regelrecht danach sucht und den eher unscheinbar rechts auf der Seite angebrachten Hinweis entdeckt", warnen die Verbraucherschützer.

Je mehr Fahrten ein Fahrgemeinschafts-Portal anbietet, desto besser finden Mitfahrer eine geeignete Verbindung. Mit über 3,4 Millionen registrierten Nutzern ist Mitfahrgelegenheit.de nach eigenen Angaben das europaweit größte Portal. 2010 gab es hier und beim Partner ADAC-Mitfahrerclub durchschnittlich 60.000 tagesaktuelle Fahrten, sagt Christian Hafensteiner vom ADAC. Etwa 50 Prozent davon wurden erfolgreich vermittelt. Auch bei Mitfahrzentrale.de mit über 700 000 Nutzern gibt es ein umfangreiches Langstreckenangebot. Die Seite Mifaz.de hat sich eher auf regionale Pendler- und Kurzstrecken spezialisiert und kooperiert dafür mit Städten, Gemeinden und Landkreisen.

Für die Sucheingabe bei den Online-Mitfahrzentralen reicht die Eingabe von Datum, Start- und Zielort. Sagt dem Suchenden ein Angebot zu, nimmt er in der Regel telefonisch mit dem Fahrer Kontakt auf. "Beide Teilnehmer sollten bereits am Telefon die wichtigsten Rahmenbedingungen für die gemeinsame Fahrt besprechen", rät ADAC-Mitarbeiter Hafensteiner. Dazu gehört die Art des Fahrzeugs, die Anzahl weiterer Mitreisender, Pausen und ob unterwegs das Rauchen erlebt ist.

Fahrer füllen ihr Profil und Angebot idealerweise mit allen verfügbaren Informationen, darunter ein seriöses Profilbild und Angaben zum Fahrstil. Die Offenheit erhöht die Chancen, eine Fahrt erfolgreich zu vermitteln. Treffpunkt und Zielort sollten am besten an verkehrsberuhigten Punkten mit Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr liegen.

Der Fahrpreis wird normalerweise bei Erreichen des Zielortes in bar fällig, andere Absprachen zwischen den Teilnehmern sind aber auch möglich. "Wir empfehlen zwischen fünf und sechs Euro pro Mitfahrer auf 100 Kilometer", so Hafensteiner. Einen detaillierteren Fahrpreisrechner gibt es auf der Seite des ADAC-Mitfahrclubs. Auch die Abfahrtszeit sollte im Vorfeld klar abgesprochen sein. Zusätzlich empfiehlt der ADAC-Experte den Austausch von Handynummern: "Irgendwas kann immer dazwischenkommen, und dann ist es wichtig, so schnell wie möglich Kontakt aufzunehmen." (bsc)