Euroshop-Messe: RFID für die Konsumgüterindustrie
Auf der EuroShop-Messe in Düsseldorf zeigten Hersteller zahlreiche RFID-Anwendungen, die den Einkauf sicherer und schneller machen sollen.
Auf der EuroShop-Messe in Düsseldorf zeigten Hersteller zahlreiche RFID-Anwendungen, die den Einkauf sicherer und schneller machen sollen. Laut einer IT-Investitionsstudie des Euro-Handelsinstituts (EHI) geben die Handelsunternehmen im deutschsprachigen Raum jährlich über vier Milliarden Euro für Informationstechnologie aus. Sie setzen vor allem auf die Modernisierung der zentralen Warenwirtschaft und der Kassenlandschaft und bauen Funknetze in den Filialen auf.
Die Metro-Gruppe, die bereits seit 1993 RFID-Lösungen entwickelt und in ihrem "Future Store" in Rheinberg testet, zeigte auf einem eigenen Messestand das Beschreiben von Funketiketten für Paletten und Pakete, das Lesen der Etikette unter verschiedenen Bedingungen, die Weiterverarbeitung der gewonnenen Datenmassen in SAP- und Oracle-Datenbanken, aber auch Zukunftsvisionen wie RFID-Kassen.
Nach Vorstellungen von Checkpoint Systems könnten Kunden künftig eine "RFID-Schleuse" passieren, die alle mit RFID-Etiketten versehenen Waren auf einmal erfasst und vom Kundenkonto abbucht. Die Schleuse dient aber primär als Diebstahlskontrolle. Das Handelsunternehmen kann somit jederzeit einsehen, zu welchem Zeitpunkt welche Ware den Laden verlässt -- und gegebenenfalls schnell reagieren, falls diese nicht bezahlt ist.
Die Firmen Awek C-Pos, Checkpoint Systems, Gunnebo und Potrafke stellten auch eine RFID-Kassentisch-Lösung vor. Das System ist mit RFID-Lesern und einem Barcodescanner ausgestattet und soll den Bezahlvorgang in Einzelhandelsmärkten beschleunigen. Die Kunden legen ihre Waren auf den Tisch, und binnen Sekunden wird der Kaufpreis angezeigt. Hat der Kunde bar oder per Karte gezahlt, deaktiviert der RFID-Leser die RFID-Etiketten. Damit kann der Kunde den Laden verlassen, ohne am Ausgang Alarm auszulösen.
Der Kassentisch hat neben einer integrierten Waage für Gewichtswaren wie Obst und Gemüse ein Terminal von Gunnebo, in das der Kunde bereits während des Scannes sein Kleingeld einwerfen kann, das dann automatisch abgezählt und auf einem Display angezeigt wird. Das Wechselgeld wird in der besten Stückelung zurückgegeben. Im System wird das Bargeld transportfertig verstaut, die Kassiererin kommt mit ihm nicht mehr in Berührung. Die Abrechnung erfolgt per Knopfdruck. Auch diese Maßnahme dient nicht nur dem Komfort, sondern auch der Sicherheit: Laut einer aktuellen Studie gehen knapp 30 Prozent der Bestandsverluste auf Diebstahl und Unterschlagung durch eigene Mitarbeiter zurück, 17 Prozent auf betriebsinterne Fehler, 7 Prozent gehen auf das Konto von Lieferanten und Logistik-Dienstleistern.
An der Kasse fließt aber nicht nur das Geld, auch die Geduld des Kunden ist gefragt. So zeigte Torex Retail ein Konzept für aktives Warteschlangenmanagement. Über Kameras wird registriert, wie viele Kunden vor der Kasse stehen. Droht eine längere Warteschlange zu entstehen, schlägt das System die Öffnung weiterer Kassen vor. Bereits in der Warteschlange kann außerdem der Einkauf des Kunden gescannt und dem Kassensystem übermittelt werden.
Noch umfassender ist die Lösung des "Checkpro Managers" von Checkpoint Systems. Die Software wertet Daten von Radiofrequenz-Sicherungsantennen, Kundenfrequenzzählern und Deaktivatoren an den Kassen aus, damit der Händler stets über Alarmmeldungen, Kundenströme und den Verkauf seiner gesicherten Waren informiert ist und sein Sicherungskonzept ständig anpassen kann. Checkpoint stellte auch eine RFID-Lösung vor, die nicht nur dem Diebstahlschutz dient, sondern auch Frischwaren identifizieren hilft. So werden RFID-Etiketten bereits während der Produktion in Kunststoff-Fleischschalen von Linpac Plastics integriert. Ausgestattet mit einer speziellen, lebensmittelechten Schutzbeschichtung halten sie Feuchtigkeits-, Druck- und Temperaturbelastungen stand.
Microsoft präsentierte auf der Messe das "intelligente Regal", das gemeinsam mit Checkpoint und Wincor Nixcorf entwickelt wurde. Es ist mit RFID-Lesegeräten und Video-on-Demand ausgestattet und erkennt die mit RFID etikettierten Waren, die in den Regalfächern einsortiert sind. Der Griff zu Ware löst die passenden Werbespots aus. Außerdem führt es stets Protokoll über den Bestand in der Auslage. Bei Bedarf regt es Nachbestellungen an.
Microsoft versucht im Rahmen seiner "Smarter Retailing Initiative" (SRI) die Einkaufspräferenzen des Kunden auszuwerten, um ihm maßgeschneiderte Angebote unterbreiten zu können. Neben dem Regal präsentierte Microsoft eine Point-of-Service-Lösung. Die Nachfrage nach einem System, das zugleich besseren Kundenservice bietet und Kosten senkt, ist da: Wincor Nixdorf konnte 60.000 Lizenzen seines auf Windows XP basierenden Beetle-Systems an mehr als 15 Unternehmen wie Metro Cash & Carry und Axfood verkaufen. Außerdem vereinbarte Microsoft mit der Otto-Gruppe eine strategische E-Commerce-Partnerschaft für Europa, um gemeinsam multiplattformfähige Lösungen für das digitale Shopping auf der Grundlage von Microsoft-Technologie zu entwickeln. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (pmz)