Supermäuse könnten Gen-Doper anlocken
Forscher aus der Schweiz und den USA haben mit gentechnischen Methoden Mäuse mit besonders leistungsfähigen Muskeln geschaffen.
Forscher aus der Schweiz und der USA haben bei genetischen Versuchen mit Tieren Mäuse mit besonders leistungsfähigen Muskeln geschaffen. Das dürfte potenzielle Gendoper brennend interessieren, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Die Wissenschaftler von der Universität Lausanne, der Eidgenössischen Technische Hochschule Lausanne (EPFL) und dem kalifornischen Salk Institute in La Jolla steigerten zudem in einem weiteren Experiment die Empfindlichkeit der Nager für das blutzuckerabbauende Hormon Insulin. Das Forschungsergebnis könnte eine neue Chance für die Behandlung etwa von Diabetes bedeuten.
Die Forscher hoffen, dass mit ihrem Ansatz, bei dem das Schaltermolekül NCoR1 im Fokus stand, später einmal auch verschiedene Muskelschwundarten behandelt werden könnten, zum Beispiel den Muskelabbau bei älteren Menschen, zum anderen erblich bedingte Muskelschwächen. Sollte sich derselbe Effekte tatsächlich beim Menschen belegen lassen, dürfte das allerdings auch Athleten und Mediziner mit krimineller Energie anlocken. "Die Antidoping-Agenturen müssten dann darauf achten, dass diese Behandlungen nicht auf illegale Weise angewandt werden", warnt Professor Johan Auwerx von der EPFL, der die Muskel-Studie geleitet hat.
Gen-Doping ist keine Zukunftsvision mehr: Wie Technology Review 2010 berichtete, hat die internationale Antidoping-Agentur WADA diese Form der Leistungssteigerung bereits auf dem Schirm. Grund dafür sind Fälle wie die eines Leichtathletik-Trainers, der sich 2006 bei einem zwielichtigen Sportmediziner aus den Niederlanden um ein neuartiges Präparat namens Repoxygen bemühte. Das Medikament enthielt gentechnisch veränderte Viren, die mit dem Epo-Gen beladen waren. Daraus entsteht das Hormon Erythropoetin, das die Zahl der Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen im Blut und damit die Ausdauer steigert. Repoxygen wurde ursprünglich für Menschen mit Nierenversagen entwickelt, deren Epo-Produktion schlecht funktioniert – doch es weckte rasch auch bei Sportlern Begehrlichkeiten. Deshalb lässt die WADA bereits Nachweistests entwickeln, um solche genetischen Manipulationen aufdecken zu können.
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(bsc)