Expertenstreit um Flächenbedarf für Biosprit

Langfristig könnten die Anbauflächen "auf dem Globus sehr knapp werden, wenn die Landwirtschaft neben der Nahrungsmittelerzeugung auch die Bioenergieproduktion forcieren soll“, befürchtet Experten.

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Langfristig könnten die Anbauflächen "auf dem Globus sehr knapp werden, wenn die Landwirtschaft neben der Nahrungsmittelerzeugung auch die Bioenergieproduktion forcieren soll", befürchtet Folkhard Isermeyer von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig. "Dann reicht die Fläche einfach nicht aus." Das Technologiemagazin Technology Review beleuchtet in Heft 02/2007 im nunmehr vierten Teil seiner Serie zur zukünftigen Energieversorgung Stand und Perspektive der Biomasse als alternativem Energieträger.

Gegenüber Technology Review sprach sich der Professor für Betriebswirtschaft für einen "Bioenergie-Businessplan!" aus: "Pro Euro holen wir im Moment weder die optimale Umweltentlastung noch die optimale Versorgungssicherheit heraus", kritisiert Isermeyer und fordert: "Der Staat sollte mehr Geld in Technologieentwicklung stecken und weniger in die pure Verbreitung von Standardtechnologien wie im Augenblick."

Andere Experten dagegen sehen auf absehbare Zeit keine Engpässe: "Im Moment geht es erst mal darum, die brachliegenden Potenziale zu mobilisieren", sagt beispielsweise Bernd Geisen, Geschäftsführer des Bundesverbands BioEnergie. "So wird ein Drittel des jährlich nachwachsenden Holzes zurzeit genauso wenig genutzt wie die biogenen Abfälle in der Kommunal- und Landwirtschaft. Da ist noch viel Luft nach oben". In Deutschland würden von den 11,8 Millionen Hektar Ackerfläche gegenwärtig 1,5 Millionen Hektar für nachwachsende Rohstoffe verwendet. "Wir gehen davon aus, dass das bis 2030 auf 4,4 Mio. Hektar ausgedehnt werden kann", sagt Geisen.

Noch aussichtsreicher erscheint die Situation auf EU-Ebene: Durch die Ost-Erweiterung wächst die Agrarfläche der Union um 30 Prozent. Fachleute rechnen damit, dass die Produktivität der osteuropäischen Landwirte steigen wird, sodass sie künftig deutlich weniger Fläche zur Nahrungsmittelproduktion brauchen – brachliegende Äcker, prädestiniert für die Bioenergie. "Wir gehen davon aus, dass in der erweiterten EU mittelfristig 50 Millionen Hektar für Energiepflanzen zur Verfügung stehen", schwärmt Geisen, "die Entwicklung eines dynamisch wachsenden Bioenergiemarktes hat also gerade erst begonnen."

Das neue TR-Heft ist ab dem 25. Januar am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen:

  • Technology Review 02/07: Schnelles Wachstum

(wst)