Eine ĂĽbersichtliche Katastrophe

In den 80er Jahren konnte jedes Schulkind die sperrige AbkĂĽrzung FCKW in Fluorchlorkohlenwasserstoff ĂĽbersetzen. Und heute? Erinnert sich noch jemand an das Ozonloch?

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Von
  • Tanja Ellinghaus

In den 80er Jahren konnte jedes Schulkind die sperrige AbkĂĽrzung FCKW in Fluorchlorkohlenwasserstoff ĂĽbersetzen. Und heute? Erinnert sich noch jemand an das Ozonloch?

Nach der Entdeckung des Ozonlochs 1985 und der Identifizierung des Hauptschuldigen wurde jedes Haarspray und jeder Kühlschrank misstrauisch beäugt und auf seine Inhaltsstoffe überprüft. Es galt größtenteils ein klarer Konsens: FCKW schädigt die Ozonschicht, wodurch sich die ultraviolette Strahlung auf der Erde und damit die Gefahr an Hautkrebs zu erkranken, erhöht. Der Handlungsbedarf trat klar und deutlich zutage, und die Regierungen reagierten entsprechend der Ängste und Sorgen der Bevölkerung.

Das weltweite Entsetzen über das Loch in der schützenden Ozonschicht brachte die Politik dazu, überraschend schnell und entschieden zu handeln: Im Montrealer Protokoll vom September 1987 einigten sich etliche Staaten darauf, die Produktion und die Verwendung von FCKW als Treibgas und Kühlmittel stark zu reduzieren. 1990 folgte dann der Beschluss, FCKW ab dem Jahr 2000 zu verbieten oder zumindest stark einzuschränken. Deutschland wählte hier einen eigenen Weg und setzte bereits 1991 ein landesweites FCKW-Verbot in Kraft.

Seitdem ist einiges passiert: Laut Bundesumweltministeriums konnte der Verbrauch und die Produktion ozonschichtschädigender Stoffe im Vergleich zu 1987 um 98 Prozent gesenkt werden, und gerade erst haben sich die Vertragsstaaten auf einer internationale Konferenz in Bali darauf einigen können, Entwicklungsländer weiterhin finanziell zu unterstützen, damit diese ihren Ausstiegs-Verpflichtungen bis 2014 nachkommen.

Ach, wie übersichtlich, einfach und klar war doch die Katastrophenlage in den 80ern, und wie chaotisch und kompliziert ist die Situation jetzt. Wenn man sieht, wie Regierungen und Interessensverbände - beispielsweise auf der gestern begonnenen Klimakonferenz in Durban - um das Klima beziehungsweise um Ursachen und Folgen der Erderwärmung ringen, um letztendlich doch nichts zu bewegen, kann man am menschlichen Verstand zweifeln.

Doch wer sich angesichts des politischen Klima-Stillstands nach dem guten, alten Ozonloch sehnt, könnte schon bald eine unangenehme Überraschung erleben. Denn die in der Vergangenheit freigesetzten FCKW werden aufgrund ihrer langen Verweildauer in der Atmosphäre noch über Jahrzehnte die Ozonschicht schädigen. In diesem Jahr feierte das Ozonloch bereits sein doppeltes Comeback: Es gibt demnach nicht mehr nur eins über der Antarktis – ein weiteres ist jetzt auch über dem Nordpol zu erkennen. (wst)