Draht statt Funk in der Boeing 787

Boeing verabschiedet sich vom Plan, Musik und Filme an Bord des Dreamliners 787 drahtlos zu ĂĽbertragen.

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Ursprünglich sollte in Boeings Dreamliner 787 ein Funknetz als Trägermedium für die Unterhaltung während des Fluges dienen (Wireless Inflight Entertainment System, IFE). Vom Weglassen der herkömmlichen Verkabelung versprach man sich Gewichtseinsparung und weniger Komplexität. Nun vollzieht der Flugzeugkonzern eine Kehrtwende: Laut Seattle Times meint der Boeing-Manager Mike Sinnett, die Rückkehr zur Verkabelung würde das Einhalten des Fertigstellungstermins erleichtern und paradoxerweise weniger zusätzliches Gewicht bringen.

Die 787 soll noch in diesem Jahr zu ihrem Jungfernflug starten und 2008 in den regulären Betrieb gehen. Die Hardware für die drahtlose Variante würde 200 Pfund (knapp 91 kg) auf die Waage bringen, die statt dessen zusätzlich zu legenden Kabel indes nur 50 Pfund (23 kg). Angesichts der maximalen Startmasse von 245 Tonnen beim größten Modell dürften die gesparten 68 Kilo kaum ins Gewicht fallen, auch wenn im Flugzeugbau jedes Gramm zählt.

Wesentlicher für die Entscheidung dürfte deshalb gewesen sein, dass die Funktechnik laut Sinnett die Durchsatzerwartungen nicht erfüllt hat. Als Zulieferer für die IFE-Systeme hat Boeing Thales Aerospace und Panasonic Avionics vorgesehen. Außerdem habe Boeing Probleme, eine Zulassung in allen Zielländern zu bekommen. Denn das Funksystem sende auf Frequenzen, die in manchen Ländern auch fürs Wetterradar genutzt werden. Das habe die mögliche Datenrate gedrückt; solche gegenseitigen Beeinträchtigungen sind im Herbst 2005 in Tschechien aufgefallen. (ea)