Kompetenzen-Umverteilung bei SAP stellt Frage nach Kagermanns Zukunft

Der neue starke Mann bei dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware könnte bald Vorstandsmitglied Shai Agassi werden. Der 36-Jährige übernimmt von SAP-Chef Henning Kagermann die Produktentwicklung bei SAP.

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Von
  • Bernd Glebe
  • dpa

Die Ereignisse wecken Erinnerungen an das Jahr 2003: Der damalige SAP-Chef Hasso Plattner fehlte erst überraschend wegen der Flaute bei einer Segelregatta bei der Präsentation der Bilanz. Wenig später gab er die Verantwortung für die Technologieentwicklung an Vorstandsmitglied Shai Agassi ab, und schließlich trat er ganz ab. Segeln ist zwar nicht die Leidenschaft des amtierenden SAP-Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann. Der am Dienstag verkündete Rückzug von zwei Verantwortungsbereichen zieht jedoch die Frage nach der Zukunft des 57-Jährigen nach sich.

Der Vertrag des gelernten Physikers läuft bis zum Jahr 2007. Ob das Abtreten der Kompetenzen für das globale Marketing sowie die Produktentwicklung wie bei seinem Vorgänger ein Indiz für einen Rückzug in Raten ist, wollte Kagermann indes nicht kommentieren. Frühestens ein Jahr vor Ende des Vertrages stehe diese Frage an, betonte der als nüchterner Analytiker geltende Kagermann, der zuvor mit Plattner eine Doppelspitze bei der Walldorfer Softwareschmiede gebildet hatte. Mit dem Rückzug des damals 59 Jahre alten Plattner hatte vor zwei Jahren das letzte Gründungsmitglied das DAX- Unternehmen verlassen.

Der neue starke Mann bei dem Weltmarktführer für Unternehmenssoftware könnte bald Vorstandsmitglied Shai Agassi werden. Der 36-Jährige übernimmt von Kagermann die Produktentwicklung bei SAP. Damit ist das seit dem Jahr 2002 amtierende Vorstandsmitglied für einen der wichtigsten Unternehmensbereiche bei dem Walldorfer Unternehmen zuständig. Bereits in der Amtszeit von Hasso Plattner galt der gebürtige Israeli als Kronprinz.

Beim Ausblick für das laufende Geschäftsjahr hatte Kagermann im Januar angekündigt, in 2005 vor allem in neue Produkte zu investieren. Dazu soll die Vermarktung der Integrations- und Serviceplattform NetWeaver vorangetrieben werden. Die Plattform, auf der Unternehmen SAP-Software mit fremden Programmen integrieren können, gilt als das Zukunftsprodukt von SAP. Die Verantwortung dafür ist nun bei Shai Agassi angesiedelt.

Mit der Neuordnung seiner Managementstruktur hat SAP nach eigenen Angaben die Weichen für die nächsten fünf Jahre gestellt. Getrotzt werden soll damit vor allem der Konkurrenz aus den USA, wo nach der Fusion der Unternehmen Oracle und PeopleSoft der Wettbewerb im Markt für Unternehmenssoftware noch härter geworden ist. Eine Strategie für die nächsten Monate hat SAP dafür auch schon herausgegeben: Wachstum statt Gewinn. (Bernd Glebe, dpa) / (jk)