Hochwertige Grafikkarten liegen im Trend

PC-Anwender geben zunehmend mehr Geld fĂĽr Grafikkarten aus. Das Einstiegssegment beginnt bei 100 Euro. Der Spielekracher Battlefield 3 soll fĂĽr reges Interesse an Highend-Grafikkarten ab 300 Euro sorgen. Allerdings sind diese schlecht lieferbar.

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Von
  • Karl Fröhlich

Das Q3 ist traditionell eines der wachstumsreichsten Quartale. Nach dem letztjährigen Einbruch startet das Segment für integrierte Grafik-Chips 2011 wieder richtig durch.

(Bild: Jon Peddie)

Nach einem guten ersten Halbjahr für Grafikkarten startet auch das dritte Quartal vielversprechend. Laut Jon Peddie Research (JPR) verzeichnet das Segment für integrierte Grafik-Chips im Q3 ein Wachstum von fast 14 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2011. Intel zählt mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent und einer Stückzahlensteigerung von über 28 Prozent eindeutig zu den Gewinnern. AMD kann zwar fast zehn Prozent mehr Grafik-Chips ausliefern, der Marktanteil sinkt im Quartalsvergleich trotzdem von 24,4 auf 23 Prozent. Während AMD gegenüber 2010 auf der Stelle tritt, büßt Nvidia knapp fünf Prozent ein und kommt nur noch auf 16 Prozent. Allerdings legt Nvidia seinen Fokus künftig vor allem auf GPUs (Graphics Processing Unit) für Steckkarten. Die abgegebenen Marktanteile gehen bisher komplett zu Gunsten von Intel.

"Im zweiten Halbjahr war das VGA-Geschäft bisher stabil, dieser Trend setzt sich auch im vierten Quartal fort", beschreibt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution, den Markt für Grafikkarten. "Die Mainstream-Produkte sind aufgrund der Zunahme integrierter Grafiklösungen etwas rückläufig. Allerdings werden in Q4 verstärkt höherwertige Grafikkarten verbaut."

"Die Absätze sind gut und stabil, besonders die Preisstabilität bei den Produkten lässt den Handel gut planen", ergänzt Christian Hoth, HIS Produktmanager bei HMC (Generalimporteur von HIS-Grafikkarten in Deutschland). "Die massiven Währungsschwankungen beeinflussen das Geschäft allerdings sowohl positiv als auch negativ."

Insgesamt zeigen sich Hersteller und Distributoren sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Dirk Neuneier, Manager Channel Marketing bei MSI Technology, zufolge, stagniert das Einstiegssegment unterhalb 100 Euro: "Andererseits erzielten wir eine deutliche Steigerung des Absatzes im Preisbereich der Performance-Grafikkarten ab 200 Euro. Nicht zuletzt dank steigenden Bedarfs auf Grund neuer Spieletitel liegen hier die Ergebnisse über den Erwartungen. Im Hochleistungssegment oberhalb von 300 Euro verzeichnen wir ebenfalls eine positive Entwicklung." Mit einer besseren Verfügbarkeit der Highend-Chips wären die Geschäftszahlen sogar noch deutlich besser ausgefallen.

Mit am besten verkaufen sich aktuell die Modelle Nvidia GF GTX 580, GTX 570, GTX 560TI, GT210 und 8400GS sowie AMD Radeon HD 6870, HD 6850, HD 6770, HD 6950 und HD 5450. Gefragt sind vor allem die Segmente ab zirka 100, 150 und 200 Euro.

In der KW 50 ist die Sapphire Radeon HD6870 (138,51 Euro brutto) im heise resale Preisradar die meistgesuchte Grafikkarte.

(Bild: Sapphire)

Bei MSI verkaufen sich insbesondere Boards mit guter Kühlleistung wie die Twin-Frozr-Modelle der Geforce-560/570- und 580-Reihe sowie die R6950 Twin Frozr mit AMD-Technologie. "Klare Bestseller sind die N560GTX TI Twin Frozr II sowie die N570GTX Twin Frozr III", sagt Channel-Manager Neuneier. "Im Entry-Level dominieren die R5450-MD1GD und die N210-MD1GD mit jeweils einem GByte Video-RAM." Die wichtigsten Kaufkriterien für Spielegrafikkarten seien in der mittleren Preisklasse eine effektive und leise Kühlung sowie Übertaktungspotential. Bei höherwertigen Produkten sind vor allem die Verfügbarkeit und dann der Preis die bestimmenden Kaufkriterien.

Laut heise resale Preisradar liegt der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel in der KW 50 bei 218,83 Euro brutto. Gegenüber der Vorwoche entspricht dies einem Minus von rund vier Prozent. Zum Vergleich: In der KW 34 Ende August lag der VK im Schnitt noch bei 128,29 Euro. Die vordersten Plätze der meistgesuchten Grafikkarten belegen die Sapphire Radeon HD 6870 lite retail (138,51 Euro brutto), die Gigabyte Geforce GTX 560 Ti OC (179,99 Euro), die Sapphire Radeon HD 6850 lite retail (114,50 Euro) sowie die Gainward GTX 570 Phantom (304,95 Euro) und MSI N560GTX-Ti Twin FrozrII/OC (587,46 Euro). Im August bildeten die Verkaufspreise der zehn meistgesuchten Grafikkarten zwischen brutto zirka 52 und 578 Euro einen guten Querschnitt durch das Segment. Aktuell beginnt die günstigste Karte bei rund 115 Euro und belegt den Trend, weg von Billigprodukten. Mit 427 Euro ist die Asus ENGTX580 DCII/2DIS/1536MD5 (Platz 9) die aktuell teuerste Grafikkarte in den Top 10.

"Zum Jahreswechsel rechnen wir nicht mit wesentlichen Änderungen", formuliert Ingram-Manager Gerken seine Erwartungen für die kommenden Dezember-Wochen. "Die Nachfrage ist stabil – bis auf allokierte Highend-Produkte ist die Verfügbarkeit gut und die Preisentwicklung stabil."

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH

Für zunehmendes Interesse an Highend-Grafikboards sorgt vor allem der aktuelle Spiele-Blockbuster Battlefield 3. Für Spieleexperten handelt es sich dabei um den Shooter des Jahres. Das Spiel reizt die Grafik bis aufs äußerste aus, glänzt mit hochauflösenden Texturen und bietet mit Multi-Monitoring taktische Vorteile. Wer Battlefield 3 in voller Grafikleistung genießen möchte, benötigt mindestens ein Board mit Direct X11. Die Grafikempfehlungen der Fachpresse lauten: AMD Radeon HD 6970 bzw. Nvida Geforce GTX 570. Noch besser spielt es sich mit der Geforce GTX 580 (VK ab 410 Euro) oder der HD 6990 (VK >500 Euro).

Der Fachhandel kann hier auch noch auf eine Verbesserung der Lieferfähigkeit hoffen. "Wir erwarten bis zum Jahreswechsel eine bessere Verfügbarkeit der wichtigen Performance-Karten", sagt MSI-Manager Neuneier. (map)