Fischöl für die Mobilfunkversorgung

Ausrüster wie Ericsson oder Nokia-Siemens gehen neue Wege, um den Infrastrukturausbau in den ländlichen Regionen Chinas und Indiens voranzutreiben.

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Der schwedische Netzausrüster Ericsson will sein Geschäft auf den wachstumsstarken Märkten Indien und China ausbauen und geht dabei auch neue Wege. Das größte Potenzial liegt in den ländlichen Regionen abseits der großen Städte, und damit oft auch außerhalb der vorhandenen Netze. Nach einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) haben weniger als ein Drittel der Chinesen auf dem Land ein Handy. In Indien, wo nur 15 Prozent der Einwohner ein Handy besitzen, leben fast drei Viertel der Bevölkerung in ländlichen Regionen ohne Mobilfunkversorgung.

In den Regionen ohne Netz muss die Mobilfunkversorgung erst aufgebaut werden. Das ist nicht immer einfach, denn oft fehlt dort auch Strom. Dennoch setzen die Carrier auf den Mobilfunk als geeignete Methode, die abgelegenen Regionen an das Kommunikationsnetz anzubinden. Denn auch Festnetzleitungen sucht man dort vergeblich. Ericsson versucht, Investitionen in den Netzausbau einerseits mit günstigen Finanzierungsangeboten zu erleichtern. Andererseits entwickeln die Schweden zusammen mit einem indischen Netzbetreiber und der GSM Association neue Treibstoffe für Generatoren, die aus lokal verfügbaren natürlichen Ressourcen wie Baumwolle oder Fischöl gewonnen werden. Ohne die Abhängigkeit vom vergleichsweise teuren Diesel sollen die Kosten für Aufbau und Betrieb der Sendeanlagen in ländlichen Gegenden sinken.

Ericsson hat jüngst einen Milliardenauftrag der Chinesen erhalten und auch in Indien den Fuß in einem 4,5-Milliarden-Dollar-Projekt. Doch sind die Schweden nicht der einzige Ausrüster auf diesen interessanten Märkten. In China dürfte sich Huawei mit seinen guten Kontakten als ernsthafter Konkurrent erweisen, schätzen die vom WSJ befragten Analysten. Auf dem indischen Subkontinent sorge Nokia-Siemens für Wettbewerb, dank alter Siemens-Verbindungen. Auch das finnisch-deutsche Joint Venture ist mit kostengünstigen Angeboten zum Ausbau der Infrastruktur angetreten. (vbr)