Breit ist nicht gescheit

Computer werden ständig besser? Von wegen. Notebook-Bildschirme liefern den Gegenbeweis.

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Ich suche gerade nach einem Ersatz für mein schon recht betagtes Notebook. Kein Problem, sollte man meinen – wird Hardware nicht im Monatstakt schneller, cooler und preiswerter? Und ist das Angebot mittlerweile nicht so ausdifferenziert, dass es für jeden Bedarf das passende Gerät gibt?

Nein. Festplatten, Prozessoren, Arbeitsspeicher oder Gehäusefarben kann man zwar konfigurieren, bis die Maus qualmt, aber versuchen Sie doch mal, einen erschwinglichen Klapprechner mit einem 4:3-Display zu finden. Es ist aussichtslos. Überall starren mir Breitflach-Bildschirme entgegen, mit einem Seitenverhältnis von 16:9 oder 16:10.

Mein rund sechs Jahre altes Notebook hat eine Bildschirm-Diagonale von 15 Zoll und eine Auflösung von immerhin 1400 mal 1050 Pixeln (SXGA+), selbstverständlich in matt. Das fand ich ideal, und so etwas will ich wieder haben – und zwar nicht aus Gewohnheit oder Sentimentalität. Es gibt gute Gründe für das klassische 4:3-Format. Textdokumente und die meisten Webseiten sind nun einmal eher hochformatig. Je flacher der Bildschirm, desto mehr muss man scrollen. Und werden die Zeilen zu breit, leidet die Lesegeschwindigkeit, weil das Auge beim Zeilenwechsel den Anfang der nächsten Zeile schlecht wiederfindet. Es hat schon seinen Grund, dass Bücher und Zeitschriften im Hochformat gedruckt werden.

Auch bei der digitalen Fotografie bringen einem die Breitflach-Bildschirme nichts. Der Bildchip meiner Kamera hat schließlich ebenfalls ein Seitenverhältnis von 4:3. Ein 16:10-Display kann diese Fotos also gar nicht bildschirmfüllend darstellen. Zum Betrachten von Filmen oder zum Spielen mögen breite Displays meinetwegen praktischer sein. Aber kann man eine ganze Geräteklasse nur auf diese paar Anwendungen zuschneiden?

An meinem Arbeitsplatz-Rechner habe ich den Bildschirm hochkant aufgestellt. Zum Schreiben ist das super, weil man sehr viel Text überblicken kann. Nur beim Surfen muss ich mitunter horizontal scrollen, das ist lästig. Ich bleibe dabei: 4:3-Bildschirme sind ein idealer Kompromiss für die meisten Anwendungen. Hallo Computerhersteller – warum habt ihr sie aussterben lassen?

(wst)