Ich weiĂź nicht recht

Sie können sich nicht entscheiden? Das hat auch sein Gutes, haben Biologen jetzt herausgefunden.

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Na, Weihnachten wieder überstanden? Es gibt ja Menschen, für die der größte Weihnachtsstress nicht in dem Überangebot an familiärer Harmonie besteht, und die weder unter zu vielen Süßigkeiten leiden noch an der kitschigen Dekoration verzweifeln. Vielmehr gehört eine gewisse Entscheidungsschwäche zum Wesen jener Menschen, die jedes Jahr wieder unter der Frage leiden: "Und, was wünschst Du Dir denn zu Weihnachten".

Solchen Menschen soll Trost zuteil werden - Trost, aus dem hellen Lichte wissenschaftlicher Aufklärung. Es ist gut, sich nicht entscheiden zu können. Denn Lebewesen, die das nicht können, spielen eine entscheidende Rolle in der Demokratisierung ihrer Gemeinschaft.

Lebewesen? Ja, man kann das völlig verallgemeinern, was Iain D. Cousin von der Princeton University da gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam erkundet hat (Einzelheiten sind im Wissenschaftsjournal Science nachzulesen: Uninformed Individuals Promote Democratic Consensus in Animal Groups, pdf): Eine Mehrheit unentschlossener kann verhindern, dass eine kleine, radikale Minderheit die Entscheidungen einer Gruppe dominieren kann, wenn sie nur entschlossen genug auftritt.

Das gilt zwar immer als selbstverständlich, muss in der Wissenschaft aber erst einmal gezeigt werden. Also konstruierten die Wissenschaftler ein simples Computermodell eines Schwarms. Jedes Wesen in diesem Schwarm kennt im Grunde nur wenige Regeln:

Schwimme in die gleiche Richtung, wie deine Nachbarn.

Versuche Dich der Geschwindigkeit deines Nachbarn anzupassen.

Vermeide Kollisionen.

Außerdem sollten die simulierten Fische versuchen, eines von zwei alternativen Zielen anzulaufen. Dabei greifen aber natürlich immer wieder die drei Regeln, so dass sich der gesamte Schwarm nur schwer in eine Richtung lenken lässt.

Das Ergebnis der Simulation war trotzdem zunächst wenig überraschend: Wenn ihre Motivation nur stark genug ist, kann auch eine Minderheit den Schwarm in die von ihnen angepeilte Richtung lenken. Spannend wird die Sache aber, wenn man eine dritte Gruppe von Computer-Fischen einführt, die keine Präferenzen haben - dann gewinnt auf einmal wieder die numerische Mehrheit. Dass dieser Effekt nicht nur im Computer auftritt, untersuchten die Forscher anschließend mit - relativ kleinen - Gruppen von Fischen.

Na also, möchte man rufen. Da sieht man es: Auch Unentschlossenheit hat ihren Sinn. Ob das nun gut ist für die Demokratie oder nicht, und ob Menschen ähnlich ticken? Kann sein, oder auch nicht. Ich kann mich nicht entscheiden.

(wst)