Wünsche für das Drachenjahr
In Japan beginnt kommende Woche das Jahr des Drachen. Und dies ist meine Vorschau auf ein besonderes Jahr – von Alpha wie "Atomkraft" bis Omega wie "OLED-Flachfernseher".
- Martin Kölling
In Japan beginnt kommende Woche das Jahr des Drachen. Und dies ist meine Vorschau auf ein besonderes Jahr – von Alpha wie "Atomkraft" bis Omega wie "OLED-Flachfernseher".
Drachenjahre beginnen in Japan früher als in China, nämlich am 1. Januar nach dem westlichen und nicht nach dem Mondkalender. Das ändert jedoch nichts an ihrem besonderen Charakter. Auch das Jahr 2012 wird einige bestimmende Themen und technische Meilensteine bringen, sage ich voraus. Atomkraft ist eines der Dauerthemen. Dass der mediale Fall-out zum Jahrestag des Erdbebens am 11. März rasant ansteigen wird, ist keine gewagte Vorhersage. Meine Hoffnung ist, dass die Lage so ruhig bleibt wie jetzt, also nur relativ wenig Radioaktivität aus den geborstenen Meilern vom AKW Fukushima 1 suppt. Mein Versprechen ist, dass ich demnächst die Region besuchen werde.
Bei Autos wünschte ich mir, dass endlich mal einer der Hersteller es wagt, einen der innovativen Zwei- und Dreisitzer von der Tokyo Motor Show auf die Straße zu bringen. So eine spaßige Mischung aus Motorrad und Auto würde vielleicht auch ich mir kaufen. Absehbar sind hingegen noch mehr Hybride auch von deutschen Herstellern, und hier und da ein Stromer. Mein ganz persönlicher Wunsch wäre ein Vergleichstest zwischen dem neuen Lexus GS450 Hybrid, dem 5er BMW Active Hybrid und der Mercedes E-Klasse Hybrid. Wenigstens beim Design der Inneneinrichtung und den Sitzen muss sich der Lexus nicht mehr schämen oder ist zumindest gleichauf. Doch wie sieht es auf der Straße aus? Ist er immer noch so teigig wie das bisherige Modell?
Bei Akkus und Batterien auf große Sprünge der Energiedichte zu setzen, ist wohl ein wenig gewagt. Der Prozess ist eher evolutionär. Aber dafür hoffe ich auf mobile Brennstoffzellen. Es gibt sie schon lange, aber durchgesetzt haben sie sich noch nicht, gerade weil die Akkus immer besser geworden sind und damit ein Notebook zur Not einen Arbeitstag lang mit Strom versorgen. Ihre großen Varianten für das häusliche Kleinkraftwerk werden aber dafür ihren Absatz nicht nur in Japan steigern können.
Bei Fodeokameras setze ich auf eine Produktoffensive von spiegellosen Systemkameras. Panasonics neues Flaggschiff, die GH3, ist fällig, und der Konzern muss sich strecken, um Sonys Vorlage, die Nex-7, einzufangen. Leica hat bereits durchblicken lassen, ebenfalls in dem Segment mit einer neuen Kamera nachzulegen. Doch meine große Wette ist, dass nun auch Canon ein eigenes Produkt lancieren wird. Ich hoffe nur, dass das Unternehmen nicht wie Nikon versucht, das Leben seiner Spiegelreflexkameras durch eine Kamera mit Mini-Sensor zu verlängern. Ansonsten hoffe ich auf innovative Formen, die ergonomisch sowohl für Fotografen als auch für Videofilmer bestechen.
Handys und Tablet-PCs werden weiter Neuerungen bringen. Ich persönlich wünsche mir ein 450 Gramm leichtes Tablet, dessen OLED-Bildschirm so reaktionsschnell ist, dass ich es vernünftig als Notizblock verwenden kann, und dessen Rechenkraft so stark ist, dass es für die Bearbeitung von RAW-Bilddaten ausreicht. Am besten sollte auch mein Handy diese Funktionen aufweisen. Ansonsten hoffe ich auf die ersten produktnahen Handy-Konzepte mit flexiblen Display.
Auch Roboter werden ihre Trends feiern. Da ist zum einen der Vorstoß des Golem in den Alltag daheim und in der Fabrik. Kleine Industrieroboter könnten den Durchbruch beim Mittelstand schaffen. Toyota wird hoffentlich roboterunterstützte Mobilität wie einen selbstfahrenden Rollstuhl vorstellen. So sicher wie das Amen in der Kirche ist allerdings, dass Honda seinem Asimo neue Kunststücke beibringen wird. Vielleicht Purzelbäume schlagen. Zum Produkt wird es aber wieder nicht reichen.
Den Höhepunkt des Jahres habe ich mir für den Abschluss aufgehoben. Bereits Anfang Januar werden auf der CES superflache OLED-Fernseher ihren Auftritt haben. Aus Japans Medien dringt bereits durch, dass Samsung und LG mit 55-Zoll-Monitoren aufwarten wollen. Die Dinger werden zwar Anfangs preislich nur für wenige Menschen erschwinglich sein. Aber wer Knete hat, kann sich die neuen Fernseher künftig fast wie eine Tapete an die Wand pappen. Ansonsten: Alles Gute zum Drachenjahr. (bsc)