Turbo-Genchip auf Halbleiterbasis
Die Biotechfirma Ion Torrent hat am Rande der CES einen Preisbrecher im Markt der Genom-Sequenzierautomaten vorgestellt.
Die US-Biotechfirma Ion Torrent will schon bald ein komplettes menschliches Genom zum Preis von knapp 1000 US-Dollar sequenzieren. Möglich macht dies ein neuer Sequenzierautomat, den Firmenchef Jonathan Rothberg am Rande der CES in Las Vegas vorstellte, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Rothberg hatte sich bereits im vergangenen Sommer mit einer entsprechenden Ankündigung aus dem Fenster gelehnt. Sein Ziel ist nun erreicht: Das Gerät, das auf den Namen Ion Proton hört, ist so kompakt, dass es auf eine Tischplatte passt. Der Sequenzierautomat ist zwar vorerst nur für Wissenschaftler zu haben, soll aber bald auf dem regulären Medizintechnikmarkt verkauft werden.
Der Ion-Torrent-Ansatz basiert auf Halbleitertechnik – und gilt im Bereich der Genomanalyse als Ausnahmeverfahren. Im Juni 2011 hatte Firmengründer Rothberg die Technologie in einem Aufsatz für das Fachjournal Nature beschrieben: Demnach besteht der Chip aus vielen kleinen Kammern, in denen die vorbereiteten DNA-Stücke mit Nukleotiden zusammengebracht werden. Kann die in der zugeführten Lösung enthaltene Base sich das Probenstück ankoppeln, wird ein Proton frei. Die pH-Änderung wird von einem Halbleiter-Sensor unter jeder Kammer registriert.
Für Otto Normalverbraucher ist das Gerät aber noch nicht geeignet: 149.000 US-Dollar sind fällig. Das ist deutlich mehr als beim Vorgängermodell, der Personal Genome Machine, die vor einem knappen Jahr vorgestellt wurde. Der enthaltene DNA-Chip im Ion Proton soll aber bis zu 1000 Mal leistungsfähiger sein. Damit ist die Sequenzierung des gesamten menschlichen Genoms in nur einem Tag möglich – für umgerechnet besagte 1000 Dollar. Auf diesen Preis arbeitet die gesamte Biotechbranche seit Jahren hin, weil er es erlauben würde, eine solche Sequenzierung im nächsten Jahrzehnt zum Routinetest zu machen.
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(bsc)