Ein AuĂźenseiter mit dem Blick nach innen

Dokumentarfilmer Dirk-Martin Heinzelmann gibt auf heise Foto seinen Blick auf Israel preis. Er zeigt keine Sensationsbilder von gewalttätigen Ausschreitungen, sondern den ganz normalen Alltag. Verblüffende Bilder einer fremden Kultur.

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Orte sind für den Dokumentarfilmer Dirk-Martin Heinzelmann Bücher, die er gerne aufschlägt. In seiner Bilderserie Israel zeigt er keine Sensationsbilder von politischen Konflikten und gewalttätigen Ausschreitungen. Er wagt einen tieferen Blick: Seine Aufnahmen von israelischen Haltestellen zeigen einen Alltag, der sich nicht von dem in deutschen Großstädten unterscheidet. Coole Jungs in Jeans, elegante Damen im Mantel, ein älterer Mann mit großer Reisetasche – sie alle sind einfach Wartende und die Haltestellen plakatiert mit knallbunten Werbebotschaften.

Israel ist die Heimat seiner Frau, schon lange erforscht Heinzelmann das Land. Fasziniert ist er besonders davon, wie sehr sich die Menschen dort dem Weltbild ihrer Gesellschaft streng unterordnen und sich trotzdem unbefangen vor seiner Kamera bewegten.

Heinzelmann ist ein Außenseiter. Gerade deshalb fühlt er sich zu Menschen, die in ihrer Umgebung verwurzelt sind, hingezogen. In seiner Kindheit musste er häufig umziehen – von Stuttgart nach Paris über Bonn wieder nach Paris. Während seines Studiums an der Sorbonne entdeckt er den Ort seiner Kindheit neu: „Wenn man durch die Straßen dieser Stadt streift, strömen unzählige Eindrücke auf einen ein. Ich wollte unbedingt einen Fotoapparat haben, um all das zu verarbeiten“, sagt Heinzelmann über diese Zeit. Die Kamera legte er dann auch erst einmal nicht mehr aus der Hand, ging an die Medienakademie Babelsberg und wurde Set-Fotograf am Filmset des US-Fotografen John Schlesinger.

Heute arbeitet Heinzelmann hauptsächlich als Kameramann. Allein von der Fotografie wolle er nicht leben. Der Weg zu einem guten Foto ist beschwerlich, gerade, wenn man wie er keine digitale Massenware liefert. Seine Fotos entstehen auf Film, der ihn zur unbedingten Konzentration auf das Motiv zwingt. Doch egal ob Bewegtbild oder Foto, das wichtigste für den Außenseiter ist, „im Bild den richtigen Augenblick einzufangen und im Betrachter die Emotionen zu erzeugen, die ich in dieser Situation empfunden habe“. (ssi)