Think Secret beruft sich im Streit mit Apple auf freie Rede

Die Website, auf der vor der offiziellen Vorstellung des Mac mini Gerüchte zu dem Rechner veröffentlicht wurden, beruft sich nun auf den ersten Verfassungszusatz der USA.

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Im Verfahren um die Preisgabe von Firmengeheimnissen hat der Herausgeber der Website Think Secret, dePlume Organization LLC, in einer Eingabe vor Gericht beantragt, Apples Klage zurückzuweisen. Sie verstoße gegen das im ersten Verfassungszusatz der USA verbriefte Recht auf freie Rede. Die Website hatte in einem Artikel einige nicht genauer spezifizierte vertrauliche Informationen beispielsweise über den damals noch nicht offiziell vorgestellten Mac mini verwendet. Think Secret meint nun, Apples Klage sei der Versuch, mit seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten kleine Journalisten einzuschüchtern. Wenn ein Blatt wie die New York Times derlei Artikel über neue Produkte veröffentlicht hätte, hätte Apple nie eine Klage erwogen, schreibt dePlume.

Die Klage sei vor dem Superior Court of Santa Clara County eingereicht worden unter Berufung auf das California Anti-SLAPP Statute; ein Gesetz, das dafür gedacht sei, Klagen, die das Recht auf freie Rede unterwandern, abzuweisen. Nach dem ersten Verfassungszusatz könne ein Journalist nicht für die Entwendung und Veröffentlichung berichtenswerter Informationen verantwortlich gemacht werden. Auch habe die Veröffentlichung der Informationen auf Think Secret durch den kurzen zeitlichen Abstand zu Apples eigener Pressemitteilung keinen wirtschaftlichen Schaden verursacht.

Think Secret hatte Gerüchte um einen "Billig-Mac ohne Display" Ende vorigen Jahres verbreitet. Eine Woche später reichte Apple Klage wegen Geheimnisverrats ein. Wiederum fünf Tage später, also knapp zwei Wochen nach den Veröffentlichungen auf der beklagten Website, lüftete Steve Jobs in seiner Eröffnungsrede zur Macworld den Vorhang vor dem Mac mini. Think Secret weist darauf hin, dass die aktuelle Eingabe vor Gericht getrennt zu sehen sei von Apples Klage gegen unbekannt, durch die die Informanten hinter den vorab gestreuten Gerüchten ausfindig gemacht und belangt werden sollen. Hier konnte Apple jüngst einen Etappensieg für sich verbuchen. (anw)