Aktionäre klagen gegen Dell
Der neue alte Chef kann sich direkt mit einer peinlichen Sammelklage beschäftigen, in der Aktionäre Dell und Intel illegale Geschäftspraktiken und Bilanztrickserei vorwerfen.
Der nicht mehr ganz so strahlende Computerversender Dell hat neben den geschäftlichen und juristischen Schwierigkeiten, die zur überraschenden Rückkehr des Firmengründers Michael Dell an die Konzernspitze führten, nun auch Probleme mit seinen Anlegern. Die werfen dem Computerhersteller in einer Sammelklage vor, jahrelang möglicherweise illegale Sonderzahlungen vom Chiphersteller Intel erhalten und diese nicht richtig verbucht zu haben.
Die Kläger argumentieren, Dells Gewinnzahlen seien durch hunderte Millionen US-Dollar aufgebläht worden, die von Intel vierteljährlich als Rabatte zurückgeflossen seien und die Dell nicht korrekt ausgewiesen und bilanziert habe. Zeitweise soll der Computerhersteller bis zu einer Milliarde US-Dollar im Jahr von Intel erhalten haben. Der Chipgigant wollte mit den von den Klägern als "geheim und möglicherweise illegal" bezeichneten Zahlungen offenbar verhindern, dass Dell auch Rechner mit Prozessoren der Konkurrenz verkauft. Dell sei von den quartalsweise eingehenden Zahlungen abhängig gewesen, da diese einen direkten Einfluss auf das Ergebnis hatten.
Weiter werfen die Anleger dem Unternehmen vor, sie über ernsthafte Schwierigkeiten in den Bilanzen sowie Qualitäts- und Serviceprobleme im Dunkeln gelassen zu haben. So hatte Dell jüngst seine Quartalsberichte verschieben müssen, weil die US-Börsenaufsicht SEC Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen untersucht. Dell hat die Klage der Aktionäre gegenüber US-Medien nicht kommentiert. Intel sieht sich wegen seiner Geschäftspraktiken bereits mit einer Kartellklage des Konkurrenten AMD konfrontiert und hat die Anschuldigungen gegenüber dem Wall Street Journal komplett zurückgewiesen. (vbr)