Hochfliegende Pläne
Worum streiten die Präsidentschaftskadidaten der Republikaner in den USA? Um Strategien zur Bekämpfung des gigantische Staatsdefizits der Vereinigten Staaten? Die Modernisierung der US-Energieversorgung? Den Militäreinsatz im Nahen Osten? Falsch, alles falsch.
Newt Gingrich, der angeblich gute Chance hat, das Rennen zu machen und damit der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden, hat ein ganz neues Thema in den Wahlkampf eingebracht. Er hat angekündigt, die USA würden, falls er die Wahl gewinnt, noch vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit - also bis 2020 - eine permanente Mondbasis errichten. Und zwar „bevor die Chinesen es tun“.
Nun ist die Idee nicht so verrückt, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Die NASA selbst hat noch 2006 entsprechende Pläne vorgestellt, die auf offenbar recht detaillierte Forschungsarbeiten zurückgehen(Spannend, wie viele Details die sich bereits überlegt haben - das kann man beispielsweise dieser Literatursammlung entnehmen).
Die spannende Frage bleibt allerdings, was man da will. Den Mars als nächste Station anpeilen? Ist von einer funktionierenden Mondbasis aus sicherlich einfacher als von der Erde. Aber erstens kann man bemannte Marsmissionen auch aus dem Erdorbit starten. Und außerdem muss man ja nicht unbedingt Astronauten schicken, um den Mars zu erforschen - die zur Verfügung stehenden Roboter sind mittlerweile auch ganz schön clever.
Helium-3 abbauen? Macht sich gut in Science-Fiction-Romanen aber die Investitionskosten dĂĽrften ganze Heerscharen von Controllern in den Selbstmord treiben.
Bleibt die Sache mit dem nationalen Prestige: Noch vor einigen Jahren haben die Chinesen in Sachen Raumfahrt ein beachtliches Tempo hingelegt. In letzter Zeit hört man allerdings weniger von den Taikonauten - offenbar hat auch die neue Weltmacht des 21. Jahrhunderts zur Zeit ein paar interne Probleme zu lösen.
Vielleicht trifft ja auch die Analyse von unserem US-Kollegen Stephen Cass zu. Der hatte bereits Ende 2010 orakelt, die massive Förderung privater Raumfahrtunternehmen würde in einigen Jahren zu einer Art „Space-Blase“ führen - einem deutlichen Überangebot an Raketen, Startrampen und Transportkapazität. Ist die Mondbasis-Nummer eine clevere Idee, diesen Effekt zu vermeiden? Irgendjemand sollte sich mal anschauen, was der Mann für Aktien hält.
(wst)