CO2-Emission von Autos: Der große Streit kommt noch

Beim Kompromiss um den Kohlendioxid-Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotte sind entscheidende Punkte offen geblieben.

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Nun ist es offiziell: Die EU-Kommission bleibt bei ihrem Vorhaben, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der europäischen Auto-Flotte bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer zu senken. Allerdings soll das, anders als in früheren Ankündigungen, nicht allein durch Verbesserung der Fahrzeugtechnik erreicht werden – die soll lediglich zu einer Senkung auf 130 Gramm beitragen. Die restlichen zehn Gramm sollen in einem "integrierten Ansatz" durch den Einsatz von Biokraftstoff sowie effizienteren Reifen und Klimaanlagen eingespart werden.

Doch Klarheit herrscht dadurch noch lange nicht. Berechnungsgrundlage sind der EU-Mitteilung zufolge die "durchschnittlichen Emissionen von in der EU-27 verkauften Neuwagen". Ursprünglich hatten die Pläne von EU-Umwelt-Kommissar Stavros Dimas vorgesehen, den Durchschnittsausstoß jedes einzelnen Herstellers heranzuziehen. Das wäre für Hersteller wie Porsche und BMW verheerend gewesen, denn kein einziges Modell kommt dem geforderten Durchschnitt – ob nun 120 oder 130 Gramm – auch nur nahe. Die Porsche-Aktie gab gegen zwölf Uhr, als die EU-Meldung publik wurde, stark nach, erholte sich kurz darauf aber wieder etwas.

Dass das Ansinnen von Dimas nun geräuschlos unter den Tisch gefallen ist und wieder, wie bei der gescheiterten Selbstverpflichtung der europäischen Hersteller auf 140 g/km, die gesamt-europäische Flotte als Maßstab genommen wird, hat zwei Konsequenzen: Zum einen können Porsche durch Ibizas und Polos anderer Hersteller kompensiert werden; die deutschen Autobauer können also in gewissem Maße aufatmen. Zum anderen wird es komplizierter, einzelne Hersteller für das Verfehlen der Ziele zur Rechenschaft zu ziehen. Über Sanktionen sei noch nicht diskutiert worden, sagte Dimas auf der Pressekonferenz. Über diese Frage wird es also noch reichlich Streit geben – nicht nur innerhalb der EU-Kommission, sondern auch innerhalb der Autobranche.

"Bei ihrer Selbstverpflichtung haben die europäische Autobauer versäumt, die Umsetzung innerhalb der Branche zu regeln", sagt Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie. Das werde jetzt von der Politik nachgeholt. Er rechne damit, dass nun zwischen den Autobauern ein reger Handel mit Emissionsrechten entstehen wird.

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(grh)