Licht und Schatten in der T-City Friedrichshafen
Noch drei weitere Jahre lang will die Telekom am Bodensee neue Technik und Dienste fĂĽr Verkehr, Energie und Medizin testen. Doch obwohl bereits rund 40 Projekte umgesetzt wurden, ist die T-City noch nicht bei allen BĂĽrgern angekommen.
Seit fünf Jahren trägt die Stadt Friedrichshafen am Bodensee den Titel T-City; das Projekt wurde vor wenigen Monaten um weitere drei Jahre verlängert. Die Deutsche Telekom hat die Stadt dafür flächendeckend mit einer modernen Breitband-Infrastruktur im Festnetz und Mobilfunk ausgestattet, wie es sie sonst nur in Großstädten gibt. Mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie wolle T-City das tägliche Leben erleichtern und einen spürbaren Nutzen in allen Lebensbereichen schaffen, heißt es in der Projektbeschreibung. 52 Städte hatten sich dafür bei der Telekom beworben, den Zuschlag bekam Friedrichshafen.
Inzwischen sind nach Telekom-Angaben rund 40 Projekte umgesetzt worden, von denen allerdings einige wieder eingestellt wurden, wie der automatische GPS-Seenotruf oder das per Handy zu zahlende Katamaran-Ticket. Doch die meisten Projekte laufen mit Erfolg. So können Einwohner mit Smart Metering ihren Strom- und Gasverbrauch per Internet ablesen. Und mit einem Telemedizinsystem lassen sich medizinische Daten wie Puls oder Gewicht über ein mobiles Messgerät aus der Wohnung zu einer Klinik oder Praxis schicken. Außerdem ist der Landkreis Modellregion für das bundesweite Projekt der einheitlichen Service-Rufnummer 115.
FĂĽr die kommenden drei Jahre sollen nun in den Bereichen Verkehr, Energie und Medizin neue Kommunikationsmodelle und neue Technik getestet und eingefĂĽhrt werden. Friedrichshafen investiert 150.000 Euro pro Jahr, die Telekom will nach Angaben von OberbĂĽrgermeister Andreas Brand einen Millionenbetrag vorhalten.
Doch noch längst nicht alle Bürger in Friedrichshafen können sich unter T-City etwas vorstellen. "Da muss man differenzieren, wen man fragt", sagt Stefan Althof, Hauptverantwortlicher des T-City Projekts bei der Telekom. "Wir haben viele Projekte mit Teilgruppen der Bevölkerung gemacht – etwa mit Diabetikern, Herzkranken, Wandersportlern oder Schülern." Wer nicht zu diesen Gruppen gehöre, habe mit den Projekten auch keinen Kontakt. Dennoch zieht Althof eine positive Bilanz von T-City: Das Projekt habe der Stadt, den Bürgern und auch der Telekom eine Menge gebracht. Auch nach Meinung von Stefan Söchtig, Projektleiter bei der Stadt, ist das Projekt hervorragend gelaufen.
Es gibt aber auch Kritik, etwa von Josef Brugger, dem Rektor der Grund- und Werkrealschule Pestalozzi in Friedrichshafen. Seine Schüler und Lehrer haben die Lernplattform Edunex intensiv getestet. Die Plattform sei vom Grundgedanken her gut, halte aber nicht, was sie verspricht, urteilt er. Zwar würden manche Lehrer Material auf der Plattform bereitstellen, das die Schüler von Zuhause aus abrufen könnten. Doch solle Edunex auch auf Materialien der Schulbuchverlage sowie auf freie Inhalte aus dem Internet zurückgreifen können. Da hake es ganz extrem. "Man kann sich das so vorstellen: Man kauft einen Porsche und hat dann kein Geld mehr zum Tanken. Dann nützt mir der ganze Porsche nichts", so Brugger.
(ad)