Shutdown für Steinkohle-Bergbau

Bundesregierung und Bergbau-Länder haben sich auf den Ausstieg aus den Subventionen für den deutschen Steinkohlebergbau geeinigt. Global gesehen wird die Kohle jedoch zukünftig einen wachsenden Anteil der weltweiten Energieproduktion übernehmen.

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Bundesregierung und Bergbau-Länder haben sich am Mittwochabend auf den Ausstieg aus den Subventionen für den deutschen Steinkohlebergbau im Jahr 2018 geeinigt. Bei einem Spitzentreffen in Berlin verständigten sich die deutsche Bundesregierung und die Kohle-Länder Nordrhein-Westfalen sowie Saarland demnach darauf, dass Nordrhein-Westfalen sich bereits ab Ende 2014 nicht mehr an den Subventionen für die Kohle-Förderung beteiligen muss. Der Bund trägt diese Kosten bis 2018 alleine. Bund und Länder zahlen derzeit jährlich bis zu 2,5 Milliarden Euro an Zuschüssen für den Bergbau. Der Ausstiegsbeschluss, der bald in Gesetzesform gebracht werden soll, wird im Jahr 2012 vom Bundestag noch einmal überprüft.

Global gesehen wird die Kohle jedoch zukünftig einen wachsenden Anteil der weltweiten Energieproduktion übernehmen. "Die Vorkommen sind deutlich höher als bei Öl und Gas“, sagt Bernhard Stribrny, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Die derzeit nachgewiesenen Reserven an Steinkohle liegen laut BGR bei etwa 626 Gigatonnen Steinkohleeinheiten (SKE) und sollten bei einem weltweiten Jahresverbrauch von 4,9 Gigatonnen etwa 128 Jahre reichen. Braunkohle hat zwar weniger Heizwert, trägt aber zu den Reserven noch einmal rund 70 Gigatonnen SKE bei. Addiert man sämtliche Ressourcen dazu – vermutete sowie nicht nachgewiesene, aber geologisch wahrscheinliche Vorkommen –, dürfte sogar noch für rund 800 Jahre Kohle vorhanden sein.

Neben der Verfügbarkeit spricht für Kohle vor allem ihr relativ niedriger Preis: Eine Tonne Steinkohle guter Qualität kostet auf dem Weltmarkt etwa 100 Euro und kann rund 30 Gigajoule Energie liefern. Um die gleiche Energiemenge aus der Verbrennung von Öl zu gewinnen, bräuchte man zwar nur 0,7 Tonnen Öl. Die Kosten dafür aber lägen beim derzeitigen Preis von etwa 60 Dollar pro 159-Liter-Fass (Barrel) bei weit mehr als dem Doppelten.

Kohlekraftwerke emittieren allerdings beträchtliche Mengen des Treibhausgases CO2 – mit rund drei Tonnen pro Tonne Stein- oder Braunkohle etwa anderthalbmal so viel wie Öl und doppelt so viel wie Gas. Das hat in Europa auch wirtschaftliche Folgen: Seit der Einführung des Emissionsrechtehandels kostet der Ausstoß von Kohlendioxid pro Tonne derzeit rund 10 Euro. Aus diesem Grund arbeiten Energieversorger und Kraftwerksbauer an so genannten "CO2-freien Kraftwerken". Das Kohlendioxid wird abgetrennt, komprimiert und durch Leitungen zu unterirdischen Speichern geschickt. Dort wird es in den Erdboden verpresst und gelagert. Doch in der Praxis herrscht noch beträchtlicher Entwicklungsbedarf.

So genannte CO2-freie Kraftwerke werden zudem nur zum Teil zur Entschärfung des Problems beitragen: Im Prinzip wäre es möglich, bis zu 99 Prozent des bei der Verbrennung von Kohle anfallenden CO2 abzuscheiden. Aber: "Das wäre zu teuer", sagt RWE-Forschungschef Johannes Heithoff, "wirtschaftlich sinnvoll sind 90 bis 95 Prozent." Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie geht in seiner Ökobilanz-Analyse sogar nur von einem Abscheidegrad von 88 Prozent aus.

Siehe dazu aus der Serie "Zukunft der Energie" in Technology Review:

(wst)