Andrew Morton gibt Ausblick auf Linux 2.6.21
Der wohl zweitwichtigste Kernel-Entwickler legte in einer Mail dar, welche Erweiterungen er in die nächste Kernel-Version integrieren möchte. Torvalds hat unterdessen schon zahlreiche Neuerungen für 2.6.21 aufgenommen.
Nach der Veröffentlichung der Linux-Version 2.6.20 vor einigen Tagen läuft nun die heiße Entwicklerphase für die nächste Kernel-Version – während Linus Torvalds in den vergangenen Tagen bereits knapp 800 Patches in seinen zu 2.6.21 führenden Entwickler-Kernel integrierte, informierte Andrew Morton die Kernel-Entwickler nun über seine Pläne für die nächste Kernel-Version.
Demnach soll nach der Aufnahme der Basis-Infrastruktur der High Resolution Timer in 2.6.16 nun auch die erweiterte Version des seit Langem entwickelten Frameworks den Weg in den Standard-Kernel finden. Im Schlepptau kommen auch gleich die Dynamic Ticks mit, die bei einem unbelasteten System den Stromverbrauch durch vorübergehendes Ausschalten des Timer-Interrupts senken sollen. Auch einige weitere Verbesserungen an der Virtualisierungslösung KVM stehen zur Aufnahme in 2.6.21 bereits in Mortons mm-Kernel-Serie bereit und werden dort getestet. Das seit Langem im mm-Kernel enthaltene Dateisystem Reiser4 soll jedoch vorerst dort verbleiben.
Morton kritisiert in seiner Mail die Verwalter der Kernel-Subsysteme – er habe es satt, hunderte Patches im mm-Kernel zu haben und diese immer wieder an die eigentlichen Verwalter zu schicken, ohne dass etwas mit den Patches passieren würde. Wie er sich das Vorgehen vorstellt, erläuterte er später im Rahmen der Diskussion etwas genauer.
In den von Torvalds bereits für 2.6.21 aufgenommenen Neuerungen finden sich zahlreiche kleine Verbesserungen an den verschiedensten Stellen. Dazu zählen größere Überarbeitungen im ACPI-Subsystem. So soll der ACPI Table Manager vereinfacht und zuverlässiger arbeiten und dabei weniger Speicher als zuvor verbrauchen. Das neue und erst einmal als experimentell gekennzeichnete ACPI-Modul bay unterstützt Geräte in Laufwerksschächten bei IBMs Ultrabay oder Dells Module Bay und beherrscht auch Hot-Plug. Der neue Treiber asus-laptop soll langfristig asus_acpi ablösen.
Zudem startet der ACPI-Code für 2.6.21 nun den seit Langem geplanten Übergang auf das Linux Driver Model, sodass viele der bisher über den ACPI-spezifischen /proc/acpi-Baum liegenden Dateien zukünftig auch im allgemeinen Device-Baum im Sysfs unter /sys zu finden sein sollten – abgeschlossen ist diese Arbeit jedoch noch nicht. Ferner integrierten die Entwickler für 2.6.21 bisher einige Patches, die die Unterstützung der Playstation 3 verbessern, und aktualisierten zahlreiche Netzwerk- sowie IDE-Treiber.
Die nächsten eineinhalb Wochen dürften die Kernel-Entwickler noch größere Änderungen für 2.6.21 aufnehmen – anschließend beginnt die meist rund sechs bis acht Wochen dauernde Phase, in der Torvalds im Wesentlichen nur noch kleinere Änderungen sowie Fehlerkorrekturen aufnimmt. (thl)