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3D-Chip von der Saar

Die Raytracing-Gruppe der Universtität Saarbrücken präsentiert ihren SaarCOR-Chip als FPGA.

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Von
  • Laurenz Weiner

Wem die virtuellen 3D-Welten herkömmlicher Rasterizer-Grafikkarten nicht real genug erscheinen, sollte die Hallen 27 und 23, in denen ATI ausschweifend seinen 20. Geburtstag feiert beziehungsweise Nvidia seine Partner wie in einer Wagenburg gegen schwere Zeiten um sich schart, nach fünf Tagen World Cyber Games einmal verlassen und quer übers (reale) Gelände in Halle 9 hinten links beim Stand A60 vorbeischauen.

Dort bekommt man ein Kontrastprogramm in doppelter Hinsicht geboten: Nahezu kompromisslos real und physikalisch korrekt wirken die per interaktivem Raytracing in Echtzeit berechneten 3D-Szenarien der Computer-Grafik-Gruppe um Professor Slusallek von der Universität Saarbrücken. Und die ruhige Lage ohne Dauerbeschallung an der Schmerzgrenze wie in der Daddelhalle 27 schärft das Bewusstsein für den Detailreichtum etwa einer vollständig gerenderten Boeing 777 mit über 350 Millionen Polygonen oder eines virtuellen, aber wie gefilmt wirkenden VW Golfs, den man zum sofortigen Vergleich am Stand auch noch real unter die Lupe nehmen kann.

Die Effizienz des Saarbrücker Echtzeit-Raytracing-Algorithmus -- inzwischen vermarktet vom Spin-Off InTrace (Halle 11, Stand E30) -- wissen vor allem die Entwicklungsabteilungen der Automobil- oder Lufttfahrtindustrie schon seit einigen Jahren zu schätzen, erspart er ihnen doch erhebliche Investitionen in kostspielige Modellentwürfe bei im Vergleich zu den Pioniertagen des Raytracings stark reduziertem Hardwareaufwand. Die Saarbrücker Crew stellt in diesem Jahr ihr weiterentwickeltes SaarCOR-Projekt heraus, das im Kern einen speziellen Raytracing-Chip und die zugehörige Software umfasst. Der FPGA-Prototyp mit nur 90 MHz Taktfrequenz erreicht bereits die drei- bis fünffache Raytracing-Leistung einer Pentium-4-CPU mit fast 30fach höherem Takt.

Das erinnert an die Anfangszeiten der Rasterizer-Chips à la Voodoo oder Riva TNT, die mit ähnlich niedrigen Taktfrequenzen und aus heutiger Sicht primitiven Konzepten vor rund 10 Jahren ihren Siegeszug durch die Spielzimmer begannen. Selbst erste Raytracing-Spieledemos und die zugehörige Schnittstelle namens OpenRT auf Basis von OpenGL haben die vom enormen Potenzial ihrer Verfahren überzeugten Saarbrücker bereits entwickelt. Ideal wäre nun eine potente Chipschmiede vom Kaliber ATIs oder Nvidias. Sollte sich ein solche finden, könnte den Platzhirschen im 3D-Geschäft der süffisante Spaß am Saarbrücker Treiben möglicherweise schnell vergehen. (law)