Weltweite Initiative für Gebrauchttelefone gegründet
Lediglich ein Prozent aller weltweit nicht mehr benötigten Handys und Smartphones werden nach einer US-Untersuchung recycelt. Das Device Renewal Forum will funktionsfähige Geräte einer weiteren Verwendung zuführen.
Umweltschutz spielt auch in der IT eine immer größere Rolle. Vor allem in der Handywelt ist das Recycling jedoch noch nicht üblich, es gibt lediglich einige lokale Initiativen. Dabei werden laut einer amerikanischen Untersuchung nicht mal ein Prozent aller Mobiltelefone recycelt – ubd noch wesentlich weniger zum erneuten Verkauf wieder aufbereitet. Das Device Renewal Forum, eine Gruppe von teilweise weltweit agierenden Unternehmen, will nun einen Standard für die Weiterverwendung funktionsfähiger Geräte und gezieltes Recycling der defekten definieren. Dabei sind bislang der US-Provider Sprint Nextel, das Recyclingunternehmen eRecyclingCrops, der Distributor Brightstar, Moduslink Globile Solutoins und die CDMA Development Group.
Die Initiative verfolgt jedoch nicht alleine den Umweltschutzgedanken. Der Markt für gebrauchte Telefone sei groß, denkbar sei nicht nur der Verkauf gebrauchter Geräte in ärmeren Ländern; auch als Ersatz für defekte Smartphones in Industriestaaten komme ein Gebrauchtgerät in Frage. Zudem seien gebrauchte Telefone nicht unbedingt alt: Viele Nutzer würden sich jährlich ein neues Smartphone kaufen und das alte für Notfälle in die Schublade legen. Einer weiteren Untersuchung zufolge würden aber 90 Prozent aller Käufer ihr altes Smartphone abgeben, wenn sie dafür einen entsprechenden Gegenwert erhalten. Am liebsten wäre es den Initiatoren, wenn die Kunden beim Kauf eines neuen Smartphones ihr altes gleich im Laden abgeben und dafür einen Rabatt auf den Kaufpreis des neuen erhalten.
Derzeit sind fast nur amerikanische Unternehmen beteiligt, doch die Gruppe möchte auch etwa europäische Provider gewinnen. Innerhalb des nächsten halben Jahres will das Device Renewal Formum Standards für die Wiederaufbereitung und die Vertriebswege festlegen, die die Smartphones durchlaufen müssen, um eine entsprechende Zertifizerung zu erhaten, die das Gerät als "geprüftes Gebrauchtgerät" auszeichnet.
Solchermaßen ausgezeichnete Geräte sollen bei Bedarf etwa einen neuen Akku bekommen oder neue Gehäuseteile, auch soll es sichergestellt sein, dass alle persönlichen Daten des Vorbesitzers vom Gerät gelöscht sind. Weiterhin wird das Zubehör, wenn notwendig, vervollständigt und das Gerät in einem neuen Karton verpackt. Im ersten Schritt erwartet das Konsortium, rund fünf Millionen Geräte pro Jahr aufzubereiten.
Nach Meinung des Konsortiums müssen die Hersteller einen verstärkten Handel mit Gebrauchtgeräten nicht fürchten. Vielmehr sei es so, dass die Anzahl derer, die ein neues Smartphone kaufen, wachse, wenn diese Erstkäufer sicher sein könnten, das Gerät später zu einem ordentlichen Preis zu verkaufen. Die "höchste Form des Recycling ist die Weiternutzung", sagte der CEO von eRecyclingCorps, David Edmondson, bei der Vorstellung der Initiative auf dem Mobile World Congress. (ll)