BitTorrent für Live-Streaming

Ein neues Protokoll soll die Videoübertragung von Großereignissen in Echtzeit ohne nennenswerte Verzögerung ermöglichen.

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Bram Cohen, Kopf hinter dem Filesharing-Protokoll BitTorrent, arbeitet mit seiner Firma an einer neuen serverlosen Infrastruktur, die sich für verteiltes Live-Streaming nutzen lässt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Während das reguläre Fernsehen mit demselben Bildstrom Millionen Zuschauer erreichen, müssen Internet-Nutzern separate Kopien der Bilddaten zugestellt werden. Weil dafür eine eigenes Netz aus Content-Deliver-Servern nötig ist, kostet Online-Streaming die Betreiber viel Geld.

Cohens Lösung heißt BitTorrent Live. Weil dabei Daten von zahlreichen Rechnern übertragen werden, die bei Endnutzern stehen, könnte mit der Technik in Zukunft jeder zum Streaming-Anbieter werden. Die verteilte Peer-to-Peer-Struktur ist hierfür, davon ist Cohen überzeugt, deutlich effizienter als das Streaming von zentralen Servern. Je mehr Nutzer versuchten, einen Datensatz zu laden, desto mehr könnten gleichzeitig als Anbieter dieses Datensatzes dienen.

Auch für Fernsehsender und Filmstudios soll BitTorrent Live interessant sein: Es eröffnet ihnen eine Möglichkeit, Premium-Inhalte effizienter zum Zuschauer zu bringen. Die Konzerne dürften Cohens Innovationsdrang aber nicht nur mit Freude erwarten – denn sie könnten fürchten, dass über den neuen Dienst auch Menschen ohne passende Lizenzen urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten. Rechtlich ließe sich dagegen deutlich schwerer vorgehen als bei von Piraten betriebenen zentralen Servern.

Noch arbeitet Cohen aber noch an seiner Technik: Mit Online-Übertragungen von DJ-Sets aus San Francisco hat er bereits erste öffentliche Testläufe von BitTorrent Live durchgeführt. Die Zeitverzögerung betrug dabei maximal fünf Sekunden. Allerdings zählte das bislang größte Testpublikum nur 350 Zuschauer.

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(bsc)