NSN-Chef: Nur drei der fünf Netzausrüster überleben
Nach Einschätzung des Chefs von Nokia Siemens Networks bleiben von den fünf großen Infrastruktur-Lieferanten nur drei übrig, darunter NSN. Unterdessen wurde bekannt, dass NSN weitere 3500 Jobs weltweit streichen will.
Der Chef des Telecom-Ausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN), Rajeev Suri, sieht auf seine Branche eine harte Auslese zukommen. "Langfristig werden weltweit nur drei Netzausrüster überleben", sagte der Manager der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf dem Mobile World Congress in Barcelona. "Zwei Anbieter werden wegfallen. Wir werden überleben."
Heute gibt es fünf große Unternehmen, die Telecom-Anbieter mit der nötigen Technik beliefern. Dazu gehören Ericsson aus Schweden, der französisch-amerikanische Konzern Alcatel-Lucent sowie die chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. "Die Verlierer werden sich auf Nischen konzentrieren und sich aus dem breiten Mobilfunkmarkt verabschieden", sagte Suri. Schulterschlüsse wie die Zusammenlegung der Netzsparten von Nokia und Siemens zu NSN werde es nicht mehr geben.
(Bild: NSN)
Wie Alcatel-Lucent wird NSN zwischen dem Marktführer Ericsson und der günstigen Konkurrenz aus China zerrieben. Suri will den Konzern aus den roten Zahlen holen. Seinen Trumpf sieht er darin, dass NSN bereits drastische Sanierungsmaßnahmen ergriffen hat. NSN zieht sich aus dem Festnetz zurück und konzentriert sich auf lukrative mobile Breitbandnetze. "Wir setzen auf Innovation und den Kostenabbau. Andere werden folgen und ihre Strategie ebenfalls verengen. Wir waren nur schneller."
Den bislang drastischsten Schnitt wagte das Unternehmen im vergangenen Herbst. Seit der Fusion der Netzsparten von Nokia und Siemens 2007 hatte NSN Milliarden-Verluste erlitten. Bis Ende nächsten Jahres sollen nach bisherigen Angaben 17.000 der weltweit 74.000 Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen – davon 2900 in Deutschland. Mit diesem Schritt will Suri die Kostenbasis um eine Milliarde Euro drücken. Gegen diese Maßnahmen haben Gewerkschaften und Mitarbeiter wiederholt Widerstand angekündigt. Erst am gestrigen Dienstag demonstrierten NSN-Mitarbeiter vor der Münchner Siemens-Zentrale.
Damit dürften die Einsparungen allerdings noch nicht vorbeisein. "In diesem Augenblick arbeiten wir an unserem Umbau, aber wir können noch mehr Einsparungen ausmachen", sagte Suri. Kostensenkungen sind für NSN eine Frage des Überlebens. Im Herbst hatten die Muttergesellschaften noch einmal eine Milliarde Euro nachgeschossen. "Weitere Hilfen brauchen wir nicht. Ab hier schaffen wir es alleine", betonte der NSN-Chef. Dem Vernehmen nach hatten die Eigner NSN auch klargemacht, dass diese Geldspritze die letzte sein wird.
Den Finanzhilfen folgte eine erfolglose Suche nach einem Käufer. Ziel seiner Bemühungen sei nun, NSN profitabel und fit für einen Börsengang zu machen, sagte Suri. "Mit einem Börsengang können unsere Gesellschafter entscheiden, in welche Richtung sie mit ihrem Engagement bei NSN gehen wollen."
Unterdessen berichtet das Handelsblatt, dass der Kahlschlag bei Nokia Siemens Networks noch radikaler ausfallen wird als bislang verkündet. Demnach gab NSN-Chef Suri am heutigen Mittwoch bekannt, dass statt 17.000 insgesamt 20.500 – also mehr als ein Viertel – der noch vorhandenen Stellen wegfallen. Grund dafür sei das Ende eines langjährigen Service-Vertrags in Lateinamerika. Diese Region verheißt den Telcos noch einiges Wachstum, ebenso der dicht bevölkerte Indische Subkontinent. Doch auch dort stehen laut Bericht den Netzausrüstern harte Zeiten ins Haus. (ssu)