Österreich: 26-GHz-Frequenzen für WLL erwachen zum Leben

eTel Austria hat den Erwerb der BroadNet-Lizenzen bekannt gegeben. Nun werden die 26-GHz-Frequenzen in Österreich langsam in Betrieb genommen.

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Spät aber doch werden die 26-GHz-Frequenzen in Österreich nun langsam in Betrieb genommen. Die Nutzungsrechte für drahtlose Anbindung von Endnutzern (Wirless Local Loop, WLL) waren im Jahr 2000 von Star 21 Networks und BroadNet Austria für insgesamt mehr als 1,35 Millionen Euro ersteigert worden. Star 21 hat das Recht erworben, bundesweit bis Ende 2010 ein Spektrum von 2x56 MHz zu nutzen. BroadNet wurde in drei von sechs Regionen berechtigt, 2x112 MHz zu verwenden. Allerdings wurden die Lizenznehmer nie am Markt aktiv. 2004 begann die Regulierungsbehörde, Druck auf die beiden Unternehmen auszuüben, und drohte mit Lizenzentzug wegen Nichtnutzung. Star 21 Networks fand daraufhin in der Raiffeisen-Gruppe einen neuen Eigentümer. Gestern, Montag, gab schließlich eTel Austria den Erwerb der BroadNet-Lizenzen bekannt.

Star 21 Networks heißt nun Centrowave Breitband Services und gehört zu 51 Prozent der Raiffeisen Informatik, zu 49 Prozent dem niederländischen Funknetz-Spezialisten Detron. Centrowave konzentriert sich ganz auf 26-GHz-Funk und hat im Oktober 2004 damit begonnen, alle Raiffeisen-Banken im Großraum Wien anzubinden. Internet-, Bankomatdaten- und Zahlungsverkehr laufen dort auf der letzten Meile bereits kabellos. Wenn bestehende Verträge mit Telefoniedienstleistern ausgelaufen sein werden, sollen auch alle Telefongespräche über WLL abgewickelt werden. Centrowave verspricht eine Verfügbarkeit von mindestens 99,8 Prozent, als Backup für Alarmmeldungen genügen den Bankfilialen ISDN-Leitungen.

Zweite Zielgruppe von Centrowave sind Unternehmen, die "höhere Ansprüche als ADSL" haben: 34 MBit pro Sekunde sind möglich. Drittens hat der Anbieter nach eigenen Angaben bereits fünf Telekommunikationsunternehmen als Abnehmer geworben, die ihre Kunden mittels WLL von Centrowave anbinden. Umsatzziel für das laufende Jahr, in dem noch eine zweite Landeshauptstadt (Graz oder Linz) erschlossen werden soll, sind 1,2 Millionen Euro. Nächstes Jahr soll der Cashflow bereits positiv sein.

ETel Austria ist in den vergangenen Jahren vor allem durch Übernahmen gewachsen. WLL soll nun dazu genutzt werden, Geschäftskunden direkt an den eTel-Glasfaserbackbone anzubinden. Die Technologie erlaube flexiblere Produkt- und Preisgestaltung, so eTel-Chef Achim Kaspar: "Vor allem die Anbindung von Kunden in unterversorgten ländlichen Gebieten wird nun möglich." Die 26-GHz-WLL-Lizenzen dürften also doch noch eine Nutzung erfahren -- im letzten Moment. Denn im Oktober 2004 wurden Lizenzen im 3,4- und 3,5-GHz-Band versteigert. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)