Cosmeceuticals: Der schöne Schein
Mit so genannten "Cosmeceuticals" stößt die Kosmetikindustrie in die Grauzone zwischen Kosmetik und Pharmazie vor.
Mit so genannten "Cosmeceuticals" stößt die Kosmetikindustrie in die Grauzone zwischen Kosmetik und Pharmazie vor. In seiner aktuellen Ausgabe (seit dem 27. Juli am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen) untersucht das Technologie-Magazin Technology Review den Trend zur Wissenschaftlichkeit in der Kosmetikindustrie: Allein der Kosmetikriese L'Oréal hat im vergangenen Jahr 496 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben – beim kleineren deutschen Konkurrenten Beiersdorf kostete die Forschung rund 109 Millionen Euro.
Befinden wir uns an der Schwelle zu echter, wirksamer Kosmetik? Forschung findet tatsächlich statt, doch zurzeit bieten die in Deutschland frei verkäuflichen Kosmetika allem Anschein nach allenfalls einen minimalen Effekt. Zudem findet bei jeder Zulassung einer medizinischen Therapie eine Risiko-Nutzen-Abwägung statt: Wie groß ist der Leidensdruck, wie groß der therapeutische Nutzen verglichen mit den möglichen Nebenwirkungen? Die alternde Haut, die sich in schlaffe Falten legt, ist aber keine Krankheit, und entsprechend muss auch das Risiko gegen Null gehen. "Die Kosmetik versucht das Prinzip zu durchbrechen und bewegt sich immer an der Grenze des Erlaubten", sagt Gisela Albrecht, Chefärztin der dermatologischen Abteilung am Spandauer Vivantes-Klinikum in Berlin gegenüber Technology Review.
Die Inhaltsstoffe von Anti-Aging-Cremes zum Beispiel dürfen nicht systemisch, also im ganzen Körper, wirken – und streng genommen soll ein Kosmetikum überhaupt keine strukturverändernde Wirkung entfalten, denn dann wären ja plötzlich die aufwendigen und strengen Zulassungsverfahren für Arzneimittel Pflicht. In diesem Fall allerdings können nur vollkommen harmlose Wirkstoffe eingesetzt werden, die in der Regel nicht das erhoffte Resultat erzielen. Was die Branche mit Cosmeceuticals erreichen will, gleicht also der Quadratur des Kreises. Immerhin, eine gute Nachricht bleibt: Bis 2013 muss die Kosmetikbranche Tierversuche komplett abschaffen – manche Ersatzmethoden sind ohnehin besser.
Einen ausfĂĽhrlichen Ăśberblick ĂĽber die Forschung an Kosmetik liefert Technology Review 08/06: (wst)
- Im Volltext online: Schwein gehabt