"Die CeBIT reagiert schnell auf die Themen der Branche und setzt entsprechende Konzepte um"
Die CeBIT steht auf festen Füßen. Davon ist der designierte CeBIT-Vorstand Frank Pörschmann überzeugt. Pörschmann wird offiziell zum 1. April die Nachfolge von Ernst Raue antreten. Heise resale sprach mit ihm über die Bedeutung und Entwicklung der CeBIT.
„Die CeBIT steht an der Spitze eines Transformationsprozesses der weltweiten Messebranche“, Frank Pörschmann, CeBIT-Chef
(Bild: Deutsche Messe)
Die CeBIT steht auf festen Füßen. Davon ist der designierte CeBIT-Vorstand Frank Pörschmann überzeugt. Pörschmann wird offiziell zum 1. April die Nachfolge von Ernst Raue antreten. Heise resale sprach mit ihm über die Bedeutung und Entwicklung der CeBIT.
Herr Pörschmann, die Euroländer sind in Unordnung geraten, einige Staaten benötigen Rettungspakete. Der Euro steht in der Kritik. Die deutsche Wirtschaft gibt sich verhalten, Analysten sehen Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen. Kann da eine internationale Messeveranstaltung noch erfolgreich sein?
Frank Pörschmann: Das wirtschaftspolitische Umfeld hat in der Tat starken Einfluss auf das Geschäftsmodell Messe und Kongress, stellt dies aber nicht grundsätzlich in Frage. Im Gegenteil, die aktuellen weltwirtschaftlichen Schwankungen helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen und zeigen, welche Geschäftsplattformen nachhaltig sind und über ausreichende Selbstheilungskräfte verfügen.
Unsere Veranstaltungen, ob CeBIT oder Hannover Messe, beweisen dank ihrer internationalen Ausrichtung und ihrer Flexibilität, Wachstumsthemen frühzeitig aufzunehmen, gute Fähigkeiten im Umgang mit Marktrisiken. Auch in unsicheren Zeiten wird das Geschäft vorangetrieben, dann jedoch muss es effizient, fokussiert und zielgerichtet erfolgen. Genau darauf haben wir unser Angebot mit einem breiten Service-Portfolio über die letzten Jahre ausgerichtet. Nicht umsonst steht die CeBIT dieses Jahr unter dem Leitthema „Managing Trust“: Vertrauen ist die Grundlage guter Geschäftsentwicklung. Dafür stehen auch wir als Veranstalter.
Wie schwer ist es, vor diesem Hintergrund die CeBIT zu verkaufen?
Pörschmann: Wir haben mit dem Verlauf der CeBIT im vergangenen Jahr eine hervorragende Basis für die CeBIT 2012 gelegt. Das war in allen Gesprächen zu spüren, die wir geführt haben. Die Vier-Plattformen-Strategie hat sich bewährt und das Profil der Veranstaltung deutlich geschärft. In vielen Gesprächen ging es vorrangig darum, die ideale Form einer Beteiligung zu finden, nicht aber um die Rechtfertigung der Veranstaltung. Die Anforderung an uns ist, für die individuellen Ziele der beteiligten Unternehmen jeweils die richtigen Antworten zu finden. Wenn ich mir die Entwicklung der CeBIT und unser Portfolio der Beteiligungsmöglichkeiten anschaue, muss ich sagen: Das gelingt uns gut.
Wenn die CeBIT diesen Stürmen trotzen kann, worauf ist dies zurückzuführen?
Pörschmann: Das liegt an ihrer Flexibilität, ihrer Relevanz im internationalen Markt und an ihrer Einzigartigkeit. Die CeBIT reagiert schnell auf die Themen der Branche und setzt entsprechende Konzepte um: zum Beispiel Logistik. Wir haben erkannt, dass Software bei den Logistikanbietern ein relevantes Thema ist. Nun begrüßen wir internationale Konzerne wie Still oder Jungheinrich auf der CeBIT. Gleiches gilt für Energie-Versorger oder Automobilhersteller. Erstmals ist zum Beispiel Audi als Aussteller dabei.
Mit ihrer einzigartigen Verbindung aus Messe, Kongress und wirtschaftspolitischem Austausch auf internationalem Niveau steigt Jahr für Jahr die Relevanz. Wir werden von Seiten der Europäischen Union eine Rekordbeteiligung haben. In Hannover treffen sich zahlreiche Minister aus vielen Ländern, um sich über die Chancen und Möglichkeiten der ITK-Branche zu informieren. Wir begrüßen auch in diesem Jahr mehr als 120 Delegationen aus Politik und Wirtschaft aus dem In- und Ausland.
Kommen wir zu den CeBIT-Fakten. Ausstellerzahl und Fläche sind rückläufig. Muss man sich um die Veranstaltung sorgen?
Pörschmann: Letztes Jahr sind sie gestiegen. Das einzige, worüber man sich vielleicht sorgen machen könnte, ist der anhaltende Irrglauben, dass die Ausstellungsfläche eines Ereignisses der Hightech-Branche noch irgendeine Aussagekraft für den Erfolg der Aussteller hätte. Keiner der genannten Faktoren orientiert sich am Erfolg der beteiligten Unternehmen. Aus meiner Zeit bei einem der größten CeBIT-Aussteller weiß ich, dass diese Zahlen für die Unternehmen nicht relevant sind. Sie haben ihren individuellen Geschäftserfolg im Blick, und der definiert sich nicht durch Ausstellerzahlen, sondern durch Kontakte, Leads und Geschäftsabschlüsse.
Wie viele Unternehmen werden in diesem Jahr ausstellen, wie viel Fläche wird belegt sein?
Pörschmann: Genaue Zahlen veröffentlichen wir nach der Veranstaltung – insbesondere auch solche, die etwas über den wirklichen Nutzen der Veranstaltung aussagen.
Ohne Highlights keine CeBIT. Vergangenes Jahr wurde die Struktur der Messe neu geordnet. Was erwartet die Besucher in diesem Jahr. Und welche Themen dominieren?
Pörschmann: Die von führenden Instituten prognostizierten Zukunftsthemen Big Data, Cloud Computing, Mobilität und Social Media stehen im Fokus der kommenden Veranstaltung. Lösungen für das Leben und Arbeiten in urbanen Ballungszentren, bei dem der Digital Lifestyle mit dem Digital Drivestyle verschmilzt, sind nur einige Beispiele. Darüber hinaus finden sich zahlreiche Anknüpfungspunkte zu unserem Top-Thema „Managing Trust“ in nahezu allen Ausstellungsbereichen. Dieses Thema ist für die ITK-Branche und auch die Anwenderindustrien eine relevante Wachstumsvoraussetzung. Es geht dabei um weit mehr als um die technischen Lösungen. Vertrauen und Sicherheit ist für jedes Unternehmen eine zentrale Managementaufgabe – und hat zudem große Anknüpfungspunkte zu gesellschaftspolitischen Diskussionen.
Sie sagten kürzlich: Wer in diesem Jahr die CeBIT besucht, hält Anschluss an die digitale Zukunft. Wo findet sich der Mittelstand wider, vor allem die Führungskräfte aus kleinen und mittleren Unternehmen?
Pörschmann: Überall! In allen Ausstellungsbereichen, bei den CeBIT Global Conferences und in unserem umfangreichen Rahmenprogramm. Die Mehrheit der beteiligten Unternehmen und der Besucher kommt aus dem Mittelstand. Außerdem wird während der CeBIT wieder täglich live über die treibenden Themen für den Mittelstand berichtet: aus unserem „CeBIT Studio Mittelstand 2012“.
Wo sollte ein mittelständischer Unternehmer seinen CeBIT-Besuch beginnen, wie sollte er sich darauf vorbereiten?
Pörschmann: Am besten auf www.cebit.de. Der Nutzen einer CeBIT steigt mit ihrer sorgfältigen Vorbereitung. Das gilt für beteiligte Unternehmen, Besucher und Medien. Deswegen haben wir auch unsere Online-Angebote deutlich ausgebaut und mit neuen Services angereichert. Auf www.cebit.de finden sich alle Informationen zur Anreise, zu den Tickets, zu den Ausstellern, Lösungen, Konferenzinhalten, Sonderveranstaltungen, Job-Börsen, Guided Tours, zum Planet Reseller und und und.
Sie werden zum 1. April Ernst Raue als Vorstand der CeBIT ablösen. Bedeutet das zugleich: Neue Besen kehren gut. Oder anders gefragt: Was wird sich bei der CeBIT ändern?
Pörschmann: Spannender ist eher, was sich nicht ändern wird: Die CeBIT bleibt in Hannover und eine feste Größe im März jeden Jahres. Sie wird den eingeschlagenen Weg in Richtung Nutzen- und Mehrwertorientierung beibehalten. Unser Fokus dabei heißt: Die CeBIT setzt weltweit den Maßstab für Geschäftsanbahnung in der ITK-Industrie. Was wir dazu alles tun müssen, kommt dann im April.
Wie wird sich die CeBIT mittelfristig ändern beziehungsweise aufstellen müssen, um im Messegeschäft bestehen zu können?
Pörschmann: Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir im Messegeschäft alleine bestehen müssen. Mir scheint es eher, dass die CeBIT an der Spitze eines Transformationsprozesses der weltweiten Messebranche steht. Die CeBIT ist im Kern ist ein Mega-Ereignis und ein Profi-Dienstleister für Marketing und Vertrieb.
Sehen Sie, wenn überhaupt, ernsthaften Mitbewerb für die CeBIT?
Pörschmann: Die Medien vergleichen gern einzelne prominente Veranstaltungen mit und gegeneinander. Bei genauerer Betrachtung aber adressieren alle Veranstaltungen unterschiedliche Ziele und basieren auf unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Wenn man sich die internationale Messelandschaft im Bereich ITK anschaut, hat die CeBIT als internationale Leitveranstaltung sicher Leuchtturmcharakter.
Was wünschen Sie sich für die CeBIT 2012?
Pörschmann: Zufriedene Unternehmen, gefüllte Auftragsbücher, mehr Geschäftsabschlüsse und vielleicht auch weniger Fragen über Flächenbelegungen. Vor allem wünsche ich uns allen, neue Erlebnisse mit der digitalen Welt, Inspiration und Motivation, zahlreiche neue Kontakte und, als Allerwichtigstes: zufriedene, vielleicht sogar faszinierte Gesichter auf allen Seiten – egal ob Aussteller, Besucher, Journalist oder Veranstalter. (map)