GDC: Spielegenerator für Nachrichtenmedien
Das Projekt Game-o-Matic des Georgia Institute of Technology setzt Nachrichtenmeldungen zur Veranschaulichung in Spiele um.
Ian Bogost, Medienprofessor am Georgia Tech Institute in Atlanta, hat auf der Game Developers Conference in San Francisco eine Entwicklungsumgebung vorgestellt, mit der Journalisten binnen Minuten Spielkonzepte aus Nachrichten und Berichten erstellen können. Game-o-Matic wird vom Autor mit Schlüsselwörtern aus aktuellen Nachrichten oder Kommentaren gefüttert. Das Werkzeug setzt dann die Beziehung zwischen Verben – wie etwa "verfolgen" oder "angreifen" – und Objekten (Namen und Substantiven) in Spielaktionen um. Für die Substantive können grafische Darstellungen oder Fotos aus einer Datenbank ausgewählt oder auch vom Autor hochgeladen werden. Innerhalb weniger Minuten entstehen so simple Spielchen aus Begriffen und Zusammenhängen, die dem Spieler aus aktuellen Berichten in Zeitung und Fernsehen bekannt sind. So ließe sich beispielsweise das Thema der "Rettungsschirme für Banken" mit an Fallschirmen schwebenden Bänkern symbolisieren, die der Spieler durch eine Gefahrenzone lenken muss. Die Flash-basierten Spiele können unmittelbar auf Web-Seiten von Online-Medien publiziert werden.
Die spielerische Aufarbeitung und Kommentierung aktueller Themen sei in traditionellen Printmedien meist den Karikaturisten vorbehalten, erklärte Bogost den Ausgangspunkt des Projektes. Mit einfachen Spielwerkzeugen sei es nun möglich, dies in digitale Medien hinüberzutransportieren und durch die einfache Erstellung weitaus mehr Medienarbeitern zugänglich zu machen.
Spielentwicklung als Form der Nachrichtenkommentierung scheitert laut Bogost oft daran, dass Journalisten keine Kenntnisse vom Spieledesign hätten. Bisher vergehen meist Tage oder Wochen, um eine Idee in ein Nachrichtenspiel umzusetzen – zu lange für Journalisten, die ein Geschehen aktuell kommentieren wollen. Bogost räumte ein, dass seine eigenen Kreationen bisher "simpel und nicht besonders gut" wären. Die einfache Bedienung eines Werkzeugs wie Game-o-Matic aber werde es ermöglichen, Spiele als neue Nachrichten- und Kommentarform einer breiten Basis zugänglich zu machen.
Game-o-Matic ist eine Gemeinschaftsentwicklung des Digital Media-Instituts des Georgia Tech und der Universität Santa Cruz. Finanziert wurde das Projekt von der Knight Foundation, einer US-Stiftung für journalistische Ausbildung. Georgia Tech hat gerade mit einem Beta-Test begonnen und will den Quellcode des Tools künftig auch als Open Source zur Verfügung stellen. (hag)