Telenor will Mobtel zu serbischem Marktführer machen

Der serbische Mobilfunkmarkt sei durch ein "Duopol mit hohen Margen" gekennzeichnet, hieß es beim neuen Besitzer von Mobtel (Mobi63). Ziel sei die Rückeroberung der Marktführerschaft im Land und die alsbaldige Errichtung eines UMTS-Netzes.

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Am gestrigen Montag hat die norwegische Telenor das serbische Mobilfunk-Unternehmen Mobi63 samt GSM- und UMTS-Lizenz für 1,513 Milliarden Euro ersteigert. Mobi63 ist die Nachfolgegesellschaft der Mobtel und tritt nach wie vor unter diesem Markennamen auf. Am Nachmittag stellte Jan Edvard Thygesen, bei Telenor für das Zentral- und Osteuropa-Geschäft verantwortlich, seine Pläne für Serbien vor. Der serbische Mobilfunkmarkt (7,5 Millionen Einwohner) sei durch ein "Duopol mit hohen Margen" gekennzeichnet. Ziel sei die Rückeroberung der Marktführerschaft im Land und die alsbaldige Errichtung eines UMTS-Netzes.

Die Marktdurchdringung dürfte rund 65 Prozent erreicht haben, Ende 2004 waren es noch etwa 20 Prozentpunkte weniger. Verlässliche exakte Zahlen gibt es nicht. Bereits 1994 hatte Telenor erfolglos versucht, in Serbien eine Mobilfunklizenz zu bekommen – die Mobtel hatte damals die Nase vorn. 2005 dürfte das Unternehmen mit 2,115 Millionen aktiven Kunden 233 Millionen Euro umgesetzt und ein EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 125 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Der ARPU (Durchschnittsumsatz je Kunde und Monat) wird von Telenor auf 10,40 Euro geschätzt.

2005 und im laufenden Jahr waren waren die Marketingaktivitäten der Mobtel nicht besonders forsch. Dies führte zwar zu der beachtlichen EBITDA-Marge von 54 Prozent, aber auch zum Verlust der Marktführerschaft. Nur noch rund 45 Prozent der serbischen Mobilfunkkunden sind Mobtel-Nutzer, 55 Prozent telefonieren im Netz von mt:s, der Mobilfunktochter der staatlichen Telekom Srbija. Da Mobtel aber tendenziell die "besseren" Kunden mit höherem Telefonieaufkommen hat, ist das Verhältnis beim Umsatz umgekehrt.

2010 soll die Mobtel auch bei der Kundenzahl wieder die Nase vorn haben. Dann soll die Marktdurchdringung 100 Prozent erreicht haben. Der ARPU (durchschnittlicher Umsatz pro Kunde) würde auf neun Euro pro Monat gefallen sein, die EBITDA-Marge immer noch bei 45 Prozent liegen. Dazu soll auch die Nutzung von Synergien mit andere Telenor-Tochtergesellschaften in der Region beitragen: Pannon in Ungarn und Promonte in Montenegro, aber auch Kyivstar in der Ukraine. Auch die österreichische One, an der Telenor einen Minderheitsanteil hält, wird angeführt. Die Norweger möchten zwar seit Jahren die Mehrheit übernehmen, haben aber nur noch wenig Hoffnung: "Es ist wahrscheinlicher, dass One verkauft wird, als dass sie von Telenor (zur Gänze) erworben wird", sagte Thygesen am Montag. Dafür möchte er sich nach anderen Akquisitionen in der Region umsehen.

Zur Entwicklung der Mobtel-Mitarbeiterzahl (derzeit rund 950) wollte der Manager ebenso nichts Konkretes sagen wie zum Status der Mobtel in Kosovo und Metochien. Die kosovarischen Behörden betrachten die auf ihrem Territorium errichteten Sender diverser Netzbetreiber, darunter Mobtel, als illegal. Die serbischen Mobilfunk-Lizenzen werden nicht anerkannt.

Für die in der Versteigerung unterlegene Mobilkom Austria bezog deren Chef Boris Nemsic Stellung: "Mobi63 wurde zu einem Preis verkauft, der unserer Meinung nach nicht wertsteigernd war", wird er in einer Aussendung zitiert. "Dessen ungeachtet bleiben Ost- und Südosteuropa weiterhin im Fokus unserer Expansionsstrategie, und wir erwarten in den nächsten Jahren andere Möglichkeiten in dieser Wachstumsregion." Für die Aktionäre des Mutterkonzerns Telekom Austria könnte die Niederlage kurzfristig höhere Dividenden bringen. CFO Stefano Colombo, der Berichten zufolge vor der Ablösung steht, kündigte an, nach Abschluss derAusschreibungsverfahren in der Slowakei sowie in Bosnien und Herzegowina "nochmals unsere Mittelverwendungsstrategie zu überdenken." Ziel werde sein, "neue Möglichkeiten zu finden, unseren Aktionären zusätzliches Kapital zurückzuführen."

Während der Kurs der Telekom-Austria-Aktie am Montag in Wien um 1,67 Prozent zulegte, gaben Telenor-Anteilsscheine in Oslo um 0,95 Prozent nach. Der durch die Ersteigerung verursache Anstieg der Schulden könnte zu einer Herabstufung der Bonität von Telenor führen, was geringfügig höhere Kapitalkosten nach sich ziehen würde.

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(Daniel AJ Sokolov) / (jk)