It's the Display, Stupid!
Apples neues iPad wird wahlweise als kleine Aktualisierung und großer technischer Durchbruch tituliert. Die Wahrheit ist: Der neue hochauflösende Bildschirm zeigt, wie die Barriere zwischen Mensch und Maschine langsam verschwinden kann.
Apples neues iPad wird wahlweise als kleine Aktualisierung und großer technischer Durchbruch tituliert. Die Wahrheit ist: Der neue hochauflösende Bildschirm zeigt, wie die Barriere zwischen Mensch und Maschine langsam verschwinden kann.
Ist Apples neues iPad nun eine technische Offenbarung oder einfach nur die simple Hardware-Aktualisierung eines bereits bekannten Tablet-Rechners im alten Gehäuse? Wenn man sich die Beschreibung des Innenlebens anschaut, könnte man auf Letzteres kommen: Der Bildschirm hat halt eine höhere Auflösung, die Kamera auch, der eingebaute Prozessor ist in Sachen Grafikleistung etwas flotter geworden und ein neuer LTE-Funkchip wurde integriert, der – welch' Peinlichkeit! – in Deutschland leider gar nicht funktioniert.
Hat man das Gerät (das im Übrigen lobenswerterweise zum gleichen Preis offeriert wird wie der vor einem Jahr erschienene Vorgänger) dann allerdings in der Hand, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das, was Apple selbst als "Retina-Bildschirm" vermarktet, ist das wohl beste Display, das man in dieser Größe jemals gesehen hat. Es hat in vertikaler wie horizontaler Richtung eine verdoppelte Auflösung (2048 mal 1536 statt 1024 mal 768 Pixel). Will man einzelne Bildpunkte erkennen, braucht man eine Lupe. Die Schrift ist gestochen scharf, die Farbdarstellung satt.
Hält man Amazons auf elektronischer Tinte basierenden E-Book-Reader Kindle daneben, haben beide zwar ein ähnlich gutes "Druck"-Bild, doch der Kindle wirkt wie aus einer anderen Zeit. Elektronische Bücher lesen sich auf dem neuen iPad fast wie auf Papier, nur dass der Schirm auch noch hochauflösendes Video beherrscht und eben farbig ist. Dabei ist die Technik, die Apple benutzt, gar nicht so clever: Es handelt sich um eine Erweiterung der bestehenden LCD-Fertigung, man schaut also praktisch nach wie vor in eine Leuchtstoffröhre.
In der täglichen Nutzung bedeutet eine solche Bildqualität, dass sich die Barriere zwischen Mensch und Maschine langsam verabschiedet. Man nimmt nach ein paar Stunden Lesen und Herumspielen mit dem neuen iPad nicht mehr richtig wahr, dass es sich um ein elektronisches Gerät handelt, das man in der Hand hält, der angezeigte Inhalt wird wichtiger. Einzig das noch immer zu hohe Gewicht macht sich bemerkbar, die Gefahr des "Tablet-Arms" ist real. Jetzt wünschte ich mir, jeder Laptop hätte einen solchen Bildschirm. Gut möglich, dass das nicht mehr besonders lange dauert. (bsc)