Smartphone auf Rädern
Das Start-up Romotive hat einen kostengĂĽnstigen Roboter gebaut, dessen Steuerung ein aktuelles Mobiltelefon ist.
Das Start-up Romotive hat einen kostengĂĽnstigen Roboter gebaut, dessen Steuerung ein aktuelles Mobiltelefon ist.
Peter Seid, Phu Nguyen und Keller Rinaudo, Gründer des Start-ups Romotive aus Las Vegas, hatten einen Traum: Die Mittzwanziger wollten einen kostengünstigen Roboter bauen, der sich leicht vernetzen und problemlos mit neuen Funktionen ausstatten lässt. Der angepeilte Preis: Höchstens 100 US-Dollar.
Nach langen Diskussionen fanden die drei Jungunternehmer schließlich eine Lösung: Wie wäre es, eine bewegliche und frei steuerbare Plattform zu nehmen und die eigentliche Intelligenz in ein Smartphone auszulagern? Das würde erstens Geld sparen und zweitens stets genug Rechenleistung liefern.
(Bild:Â Romotive)
Gesagt, getan: Nach einigen Monaten Arbeit war ein Prototyp fertiggestellt, nachdem sich das Team beim Inkubator TechStars in Seattle von Robotikexperten theoretische und vor allem praktische UnterstĂĽtzung beim Hardware-Design geholt hatte.
Der fertige Smartphone-Roboter hört auf den Namen Romo und ist ein kompaktes Raupenfahrzeug mit Ablage und Anschluss für ein Handy. Er ist 7,87 Zentimeter hoch, 8,89 Zentimeter Breit und 12,4 Zentimeter lang und wird in sieben Farben geliefert. Als Software-Plattformen wählten die Romotive-Gründer iOS und Android (2.3+) aus – vom Apple iPhone bis zum Samsung Galaxy sind diverse aktuelle Geräte nutzbar, um Romo ein Gehirn zu verpassen. (Wenn es besonders günstig sein soll, reicht auch der MP3-Spieler iPod touch.) Der kleine Roboter hat einen Bewegungsradius von 360 Grad, besitzt wiederaufladbare Batterien (USB-Anschluss) und steckt in einem robusten Acrylgehäuse.
(Bild:Â Romotive)
Um Romo auch fertigen zu können, bemühte das Romotive-Team die Crowdsourcing-Plattform Kickstarter, auf der Nutzer interessante Projekte finanzieren. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit kamen so über 114.000 US-Dollar per Internet von fast 1200 Unterstützern weltweit zusammen – mehr als dreimal so viel, als eigentlich nötig gewesen wäre. Die Jungunternehmer konnten ihr Glück kaum fassen: Die Idee hatte innerhalb der Geek-Gemeinde Feuer gefangen. Romo konnte in die Massenproduktion gehen.
Mittlerweile hat Romotive auch noch eine Geldspritze über 1,5 Millionen Dollar von mehreren renommierten Risikokapitalgebern und Silicon-Valley-Unternehmern einwerben können, um sich weiter zu professionalisieren. Keller Rinaudo, inzwischen offiziell zum Firmenchef ernannt, wundert das immer noch: "Wir haben den Investoren gleich am Anfang gesagt, wie jung wir doch sind und dass wir noch viele Fehler machen werden." Gestört hat das nicht – offensichtlich war der erfolgreiche Verlauf der Kickstarter-Geldsuche für die Finanziers Beweis genug, dass es sich um ein tragfähiges Modell handelt.
(Bild:Â Romotive)
Mit der Romo-App, die für iPhone und Android bereitsteht, lässt sich der Roboter von anderen Geräten aus steuern. Die einfachste Nutzungsmöglichkeit des kleinen Roboters ist die Verwendung als beweglicher Telepräsenzapparat: Dabei steuert man Romo von einem anderen Smartphone aus und nutzt die Kamera, kann dann darüber mit Menschen aus der Ferne kommunizieren. Um etwas Spaß zu haben, kann man dem kostengünstigen Automaten auch noch einen zur aktuellen Stimmung passenden Gesichtsausdruck geben, den das Smartphone-Display dann wiedergibt.
Das System ist aber auch völlig frei programmierbar. Dazu liefert Romotive ein Software Development Kit (SDK) mit. Um weitere Geräte anzuschließen, sind drei Zusatzschnittstellen am Romo vorhanden - so wäre es beispielsweise denkbar, zusätzliche Sensoren zu nutzen.
Ziel von Romotive ist es, einen eigenen Anwendungsladen (App Store) für Romo aufzubauen. Dann könnten Nutzer für die unterschiedlichsten Anforderungen eigene Programme erwerben, die sich einfach auf das Handy herunterladen lassen. Den angepeilten Preis hielten Rinaudo und Co. übrigens nicht ganz ein: Der Smartphone-Roboter wird tatsächlich für 150 Dollar verkauft. Mit ersten Lieferungen nach Europa soll noch vor Sommer zu rechnen sein. (bsc)