Studie: Manche Verbraucher zahlen für Privatsphäre
In Experimenten fanden Wissenschaftler des DIW und der Uni Cambridge heraus, dass einige Verbraucher für den Schutz ihrer Privatsphäre im Netz höhere Preise in Kauf nehmen. Den meisten sind jedoch niedrige Kosten wichtiger.
- Christian Kirsch
"Was ist die Privatsphäre wert?" Diese Frage versucht eine Studie (PDF) zu beantworten, die die europäische IT-Sicherheitsagentur ENISA (European Network and Information Security Agency) veröffentlicht hat.
Die Autoren vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität im englischen Cambridge führten dazu ein Experiment mit 443 Studenten der Berliner Technischen Universität durch. Dabei konnten sie beim Kauf von Kinokarten zwischen zwei Anbietern wählen. Beide fragten nach Namen, Geburtsdatum und Mail-Adresse der Kunden.
Einer verlangte zusätzlich entweder die Handynummer oder die Genehmigung, Werbung per Mail zuzusenden. Da diese Angaben überprüft wurden, konnten keine falschen Daten eingegeben werden. Die Kinokarten kosteten bei diesem Anbieter 7 Euro, bei dem anderen 50 Cent mehr.
Zwar meinte eine überwältigende Mehrheit (93 Prozent) der Teilnehmer in einer Befragung nach dem Experiment, "interessiert" oder "sehr interessiert" daran zu sein, dass Unternehmen ihre Daten schützen. Doch beim Kauf entschieden sich nur 41 Prozent für den Anbieter, der einen solchen Schutz bot. Ähnliches ergab ein Feldexperiment, bei dem jedoch von über 700 Teilnehmern nur gut 80 überhaupt ein Ticket kauften.
Die Forscher interpretieren ihre Resultate zurückhaltend: "Es ist diskutierbar, ob Ergebnisse mit Studenten in einem Laborexperiment auf die allgemeine Bevölkerung verallgemeinert werden können. […] Das Feldexperiment hätte wesentlich länger dauern müssen, um mehr Beobachtungen hinsichtlich des Kaufverhaltens machen zu können." (ck)