Japanische Marktoffensive für internetfähige Flachbildfernseher

Japans Elektronikonzerne wollen die weltführende Stellung im Breitbandinternet dazu nutzen, Vorreiter beim Internet-TV zu werden.

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Japans TV-Hersteller werden ab 2007 in ihrer Heimat voll internetfähige Flachbildfernseher auf den Markt bringen. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung Nihon Keizai. Mit ihnen sollen Kunden sich nicht nur Fernsehprogramme und Videos, sondern auch andere Dienste wie Zeitungen im Wohnzimmer auf den Großbildschirm holen können. Dafür arbeiten Sony, Panasonic, Sharp, Toshiba und Hitachi derzeit einen gemeinsam Standard für die Internetverbindung aus.

Japans Elektronikkonzerne wollen damit endlich Japans hochentwickeltes Breitbandinternet für ihre Fernseher nutzen: 2005 verfügte Japan über rund 14,5 Millionen DSL-Anschlüsse mit Datenraten von bis zu 50 MBit pro Sekunde. 5,5 Millionen Glasfaser-Verbindungen übertragen je nach Anbieter von maximal 100 MBit bis zu einem GBit pro Sekunde. Dazu gibt es noch 3,3 Millionen leistungsstarke Kabelfernsehanschlüsse. Die meisten Kunden nutzen Flatrates.

Schon heute bieten die Internetprovider TV- und Videodienste an. Die Fernsehpakete umfassen in der Regel 30 bis 40 Kanäle und Video-on-Demand-Shops mit bis 5000 Spielfilmen und Serien. Die Zusatzkosten schwanken je nach Dienst um 10 bis 30 Euro pro Monat. Doch die Angebote konnten bisher nicht recht durchstarten, weil die Verbindung des Internet mit dem Fernseher den Kunden offenbar zu schwierig war. Auch die bereits bestehenden Portale der Fernsehhersteller entwickelten sich nicht, weil sie hauptsächlich textbasierte Informationen feilboten.

Die einfache Handhabung der neuen Geräte soll nun den Diensten neues Leben einhauchen. Durch einen Knopfdruck auf der Fernbedienung sollen sich die Kunden künftig mit einem Portal verbinden können, das die gewünschten Dienste vom digitalen Fernsehen über Videos bis zu Zeitungen und medizinischen Online-Diensten auch für internetunerfahrene Senioren einfach zugänglich macht. Besonders fördert Japans Regierung soziale Online-Dienste, denn Millionen von Rentnern bevölkern abgelegene und rapide schrumpfende kleine Landstädte und Dörfer.

Bereits Anfang Juli haben die Elektronikkonzerne das Unternehmen "TV Portal Service" gegründet. Außerdem standardisieren sie Kompressionsverfahren für die Daten, die Plattform übergreifende Datenaufbereitung für Video und Text und ein System für Identifikationsnummern für jeden Fernseher, um den Urheberrechtsschutz zu gewährleisten. Laut Nihon Keizai wollen die Hersteller bis zum endgültigen Ende des analogen Fernsehens im Jahr 2011 zehn bis 20 Millionen netzfähige Flachbildfernseher verkaufen. (Martin Kölling, Tokio) / (wst)