Müntefering bremst Telekom bei Stellenwechsel von Beamten [Update]

Die Telekom will ihre Kosten durch einen Abbau von Stellen reduzieren. Vor allem die 46.000 Beamten, die beim ehemaligen staatlichen Telefon-Monopolisten auf der Gehaltsliste stehen, bereiten dem Konzern Kopfzerbrechen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Die Deutsche Telekom ist nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung mit ihrem Vorhaben gescheitert, etwa 2000 Beamte auf Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit unterzubringen. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) habe dies abgelehnt. Die Pläne der Telekom zum Personalabbau würden damit in Gefahr geraten.

Leider sehe er keine Möglichkeit, die derzeit im Rahmen der Amtshilfe bei den Arbeitsgemeinschaften beschäftigten Bediensteten der Deutschen Telekom auf die eingerichteten Dauerarbeitsstellen zu übernehmen, schreibt Müntefering laut der Zeitung in einem Brief an den kommissarischen Personalvorstand der Telekom, Karl Gerhard Eick. Einzelne Telekom-Beamte könnten gleichwohl eine Dauerstellung erhalten: Auf freie Stellen könnten sie sich bewerben, allerdings sei keineswegs an deren kontingentweise Einstellung gedacht, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit gegenüber der Zeitung.

Die Telekom will ihre Kosten durch einen Abbau von Stellen reduzieren, derzeit arbeiten dort 160.000 Menschen. Vor allem die 46.000 Beamten, die beim ehemaligen staatlichen Telefon-Monopolisten auf der Gehaltsliste stehen, bereiten dem Konzern Kopfzerbrechen. Experten gehen nach dem Bericht davon aus, dass die Telekom mindestens 20.000 Beamte zu viel an Bord hat. Weil sie unkündbar sind, blieben zwei Auswege: Pensionierung oder Versetzung zu einer Behörde.

Nach SZ-Informationen sind die Telekom und Teile der Bundesregierung über Münteferings Nein verärgert. Denn die Telekom-Tochter Vivento hatte der Bundesanstalt für Arbeit (BA) und den Kommunen vor zwei Jahren bei der Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV geholfen, hieß es. Damals brauchten die Arbeitsgemeinschaften dringend Personal, um die Langzeitarbeitslosen zu betreuen.

Der neue Telekom-Chef René Obermann hat sich einiges vorgenommen, um die Telekom, die durch harte Konkurrenz vor allem im Stammgeschäft unter Druck steht, wieder auf Kurs zu bringen. Allerdings musste Obermann Anfang Februar die Gewinnprognose senken, für den Konzern bedeutete das die zweite Korrektur der Erwartungen innerhalb eines halben Jahres. In diesem Monat noch will Obermann dem Aufsichtsrat seine neue Strategie präsentieren; der Vorstand plant aber bereits einen Umbau des Konzerns, von dem 45.000 Mitarbeiter betroffen sein könnten; durch die Bündelung von 45.000 Mitarbeitern der Festnetztochter T-Com und der Callcenter in eine neue Geschäftseinheit namens T-Service sollen die Servicequalität verbessert und die Kosten deutlich gesenkt werden. Der Konzern plant Einschnitte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, hat sich aber bislang nicht zu deren Höhe geäußert. Vorstandschef René Obermann hatte wiederholt betont, dass durch T-Service der Abbau weiterer Arbeitsplätze verhindert werden soll.

[Update]:
Eine Konzern-Sprecherin bestätigte mittlerweile gegenüber dpa den Bericht der Süddeutschen Zeitung in großen Teilen. Zugleich betonte sie, dass die bis 2010 ausgeliehenen Mitarbeiter bei der Behörde eingearbeitet seien und dort einen guten Job machten. Von daher sei es naheliegend gewesen, sie auch dauerhaft bei der Bundesagentur zu beschäftigten. Zu möglichen Gründen machte die Sprecherin keine Angaben und verwies auf die Bundesagentur für Arbeit.

Der Vertrag über eine Amtshilfe der Telekom-Tochter Vivento sei längerfristig angelegt. Daher besteht aus Sicht der BA derzeit gar kein Anlass über eine Übernahme der Telekom-Beschäftigten zu verhandeln, sagte eine BA-Sprecherin. (jk)