Bundesregierung sieht "neue Innovationskultur" in Deutschland
Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sieht im Interview mit Technology Review die Innovationsoffensive der Bundesregierung auf einem guten Weg.
Die im vergangen Jahre von der Bundesregierung ausgerufene so genannte Innovationsoffensive hat zur Herausbildung einer "neuen Innovationskultur" geführt, meint Frieder Meyer-Krahmer, seit Anfang Februar Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Initiative sei ein guter Start gewesen, erklärte Meyer-Krahmer, zu dessen vorrangigen Aufgaben die die Modernisierung der Forschungslandschaft in Deutschland gehört, im Interview mit Technology Review. "Zum einen hat sich eine Gruppe von Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gebildet, die gemeinsam aktiv werden will. Zudem fasst man den Begriff der Innovation jetzt sehr viel breiter."
Der Staat könne jedoch nur flankierend wirken, um die Forschung wettbewerbsfähiger und leistungsfähiger machen, denn zur Innovation gehörten nicht nur Forschung oder Technologie, sondern auch die passenden Ausbildungsplatzbedingungen, die richtigen Finanzierungsrandbedingungen, der entsprechende regulative Rahmen und geeignete Firmenstrategien. Im Bundesministerium für Bildung und Forschung will man deshalb Anreize für Wissenschaftler und Wirtschaftskräfte schaffen, für einige Zeit "die Seiten zu wechseln": "Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft läuft am besten über die Menschen selbst. Ein Austausch auf Zeit wäre aus meiner Sicht ein wichtiger Ansatz, die Innovationskraft des Landes zu steigern", erläutert Meyer-Krahmer, der vor seinem Wechsel ins Ministerium 15 Jahre lang das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung leitete.
Gefragt nach den Wachstumsmärkten der Zukunft, nennt er Gesundheit, Mobilität, Produktion, Energie, Umweltfragen und die alternde Gesellschaft "mit all ihren Implikationen". Damit Deutschland sich auf einem dieser Märkte gut positionieren kann, müssen aus Sicht des studierten Mathematikers, Wirtschaftswissenschaftlers und Politologen zwei Voraussetzungen gegeben sein: "Wir müssen erstens in der Forschung die Nase vorn haben, und zweitens müssen im Land entsprechende Unternehmen vorhanden sein, die von Bedeutung sind und global agieren. Man kann Lead-Märkte nicht aus dem Boden stampfen, man kann nur versuchen, die Potenziale zu erkennen und zu nutzen."
Das Interview ist Teil des Schwerpunktes Innovationsmanagement der aktuellen Ausgabe von Technology Review, die seit dem heutigen Donnerstag im Handel ist. (wst)