Holtzbrinck weiter auf Einkaufstour durchs Netz

Der Medienkonzern will die Mehrheit der Abacho AG ĂĽbernehmen und hat ein Angebot vorgelegt. Abacho-Chef Endemann hat schon zugestimmt und wird sein Aktienpaket von rund einem Drittel der Anteile verkaufen.

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Der Holtzbrinck-Verlag ist weiter auf Einkaufstour im deutschen Internet unterwegs. Wie die Netzsparte Holtzbrinck Networks am heutigen Dienstag bekannt gab, strebt der Verlag eine Mehrheitsbeteiligung an der Abacho AG an. Die von Ingo Endemann gegründete Aktiengesellschaft betreibt das Suchmaschinenportal Abacho.de, die Auftragsauktion MyHammer.de sowie einige Chat-Communities und ist in mehreren Ländern präsent.

Holtzbrinck hat ein Angebot von 4,20 Euro fĂĽr jede Aktie der Gesellschaft abgegeben. Der Kurs hatte am gestrigen Montagabend mit 3,51 Euro geschlossen. Nach Bekanntwerden des Angebots machte die Notierung des Unternehmens einen Satz nach oben. Mit Abacho-GrĂĽnder Endemann ist sich Holtzbrinck schon einig, er hat sich vertraglich zur Annahme des Angebots verpflichtet und wird dem Verlag seine knapp 30 Prozent der Aktien (3,986 Millionen StĂĽck) verkaufen. Die Anteile wechseln fĂĽr gut 16,6 Millionen Euro den Besitzer; insgesamt ist die Abacho AG damit etwa 50 Millionen Euro wert. Die Abacho AG hat im ersten Quartal 2007 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro erzielt und einen Vorsteuerverlust von 390.000 Euro verbucht. Das Portal Abacho.de meldet monatlich rund 18 Millionen Seitenabrufe.

Holtzbrinck hatte zuvor bereits knapp 3 Prozent der Abacho-Anteile gekauft und ist über die Investmentsparte Holtzbrinck Ventures seit Anfang 2006 auch bei MyHammer.de beteiligt. Insgesamt hält der Verlag damit jetzt gut 32 Prozent der Abacho-Anteile. Holtzbrinck will damit seine strategische Position im Netz ausbauen. "Die Transaktion passt ideal zum strategischen Fokus unserer Beteiligungen im Bereich Neue Medien", kommentiert Holtzbrinck-Networks-Chef Martin Weber. Das Übernahmeangebot steht unter Vorbehalt "üblicher Bedingungen", Einzelheiten dazu will Holtzbrinck mit der Angebotsunterlage veröffentlichen, sobald es dafür grünes Licht von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gibt. Der Vollzug der Transaktion wird im 4. Quartal 2007 erwartet.

Holtzbrincks Internet-Portfolio gleicht damit zunehmend einem Gemischtwarenladen. Nach der Übernahme der Studentencommunity StudiVZ hatte der Verlag zuletzt die IT-Seite Golem.de und das Gesundheitsangebot Netdoktor.de gekauft. Daneben ist das Medienhaus unter anderem bei Myphotobook.de und erento.com engagiert. Bei der Abacho-Übernahme habe Holtzbrinck Networks vor allem die Dienstleistungsauktion MyHammer.de im Visier gehabt, erklärt der zweite Geschäftsführer Konstantin Urban. Holtzbrinck Networks soll langfristig zu einem soliden Geschäftsbereich Internet des Verlags wachsen und in fünf Jahren auch 20 Prozent des Konzernumsatzes liefern. Die bisher in der Sparte zusammengefassten Unternehmen machen rund 260 Millionen Euro Umsatz im Jahr und seien in der Summe auch profitabel, erklärt Urban. Den Hauptteil des Umsatzes steuern bol.com, buecher.de und parship.de bei. (vbr)