Ă–sterreichisches Millenniumsprojekt AEIOU.AT lebte nur kurz

Der Betrieb des "Annotierbaren Elektronischen Interaktiven Oesterreichischen Universal-Informationssystems" wurde am 1. April eingestellt.

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Der Betrieb von AEIOU.AT wurde am gestrigen Freitag eingestellt. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur erlaubte den Weiterbetrieb nicht, obwohl es ein Angebot kostenloser Fortführung des "Annotierbaren Elektronischen Interaktiven Oesterreichischen Universal-Informationssystems" gab. Damit war dem "Österreichischen Millenniumsprojekt", das 1996 anlässlich der 1000-Jahr-Feier des Landes von der Regierung ins Leben gerufen worden war, kein allzu langes Leben beschieden. Dabei war das umfangreiche Online-Angebot sehr beliebt und zählte im Vorjahr zirka sieben Millionen User.

Aufbauend auf der ersten Auflage des Österreich Lexikon wurde Österreich und seine Kultur im Internet nach Stichworten sortiert in deutscher und englischer Sprache präsentiert. Die Inhalte des Druckwerks wurden durch sechs "Alben" mit multimedialen Inhalten ergänzt: Musik-Geschichte, Musik-Kolleg, Bilder-Album, Video-Album, Briefmarken-Album, Foto-Album. Jeder Benutzer konnte Ergänzungen und Korrekturen machen, die -- im Unterschied zu einem Wiki-System -- redaktionell eingearbeitet wurden. Auch Protest-Mails von Anwendern konnten die zuständige "Zukunftsministerin" Elisabeth Gehrer (ÖVP) nicht zu Fortführung bewegen.

AEIOU war auch ein habsburgischer Wahlspruch des Kaisers Friedrich III. (1415-1493). Das Akronym AEIOU hat gleich mehrere Übersetzungen, von denen die populärste "Austriae est imperare orbi universo" lautet. Im 16. Jahrhundert kam mit "Alles Erdreich ist Österreich untertan" auch eine deutsche "Übersetzung" auf. Für den 2004 verstorbenen ÖVP-Abgeordneten Josef Trinkl bedeutete die Vokalfolge "Alle Europäer inspiriert Österreichs Unternehmergeist." Allein die Ministerin ließ sich auch vom Angebot, die Inhalte des Online-Lexikons in Wikipedia einfließen zu lassen, nicht inspirieren.

Sucht man bei Google.at nach "Friedrich III.", wird als erstes Suchergebnis noch der entsprechende Eintrag von AEIOU.AT ausgegeben. Momentan kann die Information (ohne Bild) noch aus dem Google Cache entnommen werden. Aber auch das wird nicht von langer Dauer sein. (Daniel AJ Sokolov) (vza)