Was wirklich wahr war. (Ein entschlüsselter Sommernachtsrätseltraum, 3. Teil)
Die diesjährige Sommerrätselei hat bald ein Ende, da die Branche wieder rege für Nachrichtenstoff sorgt. Zuvor liefert Hal die Auflösung des Sommerrätsels mit Mobil-Schwerpunkt.
Ganz langsam geht der Traum einer lauen Sommernacht seinem Ende entgegen. Auch die Rätselei hat bald ihr Ende, weil die Branche wieder rege für Nachrichten sorgt. Was schreibe ich? Nicht nur die Nachrichten kommen munter rein, sogar für neue Rätsel wird gleich mitgesorgt! Wenn die Marktauguren der Bitkom verkünden, dass 2010 bereits 2,8 Millionen deutsche Haushalte Fernsehen über das Internet nutzen und neue TV-Geldströme die Mother Lode im Internet freilegen, darf gerätselt werden, welche Inhalte aus grauer Vorzeit da gemeint sind.
Somit beginnt die Auflösung des Sommerrätsels mit seinem Mobil-Schwerpunkt in tiefer Vergangenheit. Aus grauer Vorzeit stammte die Reklame für ein Handie-Talkie, für das Motorola im Jahre 1945 warb. Frage 1, auf welche beliebte deutsche Debatte das Militärbild anspielt, zielte auf die Party-Diskussion zum "deutschen" Wort Handy. Eine weitere, ebenso knifflige wie richtige Antwort ist der Standardforenkommentar in heise mobil: "Wer braucht das schon? Mit welchem Handy kann man einfach nur telefonieren?"
Ziemlich nah an der Lösung lagen alle Antworten bei der nächsten Frage, die im Kontext des 100 Dollar-Laptops auf Negropontes Beschreibungen der Ideen von Alan Kay verwiesen. Dieser hatte für Kinder ein "Dynabook" skizziert, mithin den Urahn aller Notebooks. Gebaut wurden jedoch andere Sachen, weshalb bei Negropontes Bewertung die Frage 2 eigentlich auf Apples eMate zielte, der 1997 vorgestellt wurde.
Dafür blamierte ich mich mit Frage 3 nach dieser präzisen Antwort über den Ursprung der Stromkurbel beim 100 Dollar-Laptop. Meine Pressematerialien nennen seltsamerweise den Engländer Trevor Baylis als Erfinder, der für die südafrikanische Firma Freeplay Kurbelradios entwickelte.
Nicht erraten wurde in Frage 4 das IBM-Programm Person to Person, das mit dem BonusPak für OS/2 Warp auch in Deutschland aufschlug. Benutzt wurde Person to Person für Theaterstücke des Gertrude Stein Repository Theatre unter der Regisseurin Cheryl Faver im Jahre 1994, als dem Theater die Geldmittel fehlten, die Schauspieler aus Los Angeles und Paris einfliegen zu lassen. IBM spendierte das Programm, die nötigen Rechner mit OS/2 und die Telefon-Verbindungskosten. Während die Schauspieler vor Ort blieben, wurden die Journalisten nach New York eingeflogen und sahen ein ziemlich wildes Theaterstück. Hinterher wurde diskutiert, ob es sich um ein Inzest/Familiendrama oder ein Modemdrama namens ATA ATH handelte.
Frage 5 beschäftigte sich im Zuge des aktuellen Überwachungstaumels deutscher Politiker mit diesem GPS-Gewehr für Überwachungs-Sniper und wurde stante pede beantwortet. Derweil geht die Debatte weiter und liefert uns die schönsten Argumentationsketten, wie diese hier: "In einer demokratischen Gesellschaft mit Videoüberwachung leben die Menschen unbeschwerter als in einer Diktatur ohne Videoüberwachung." Da können wir ja beruhigt schlafen gehen, liebe taz.
Der Ferrari-Laptop der Firma Acer aus Frage 6 bereitete den Rätselspezialisten keine Mühe, wohingegen der Apricot Portable der Frage 7 nicht erraten wurde. Dieser Rechner war mein erster großer Fehlkauf und markierte gleichzeitig das letzte Mal, dass ich auf einen "Computer-Händler" hörte. Angeschafft wurde er, um die Übersetzung eines Hilfesystems für dBase II Plus diktieren zu können.
Auch die Frage 8 nach dem Apple Newton, der die Schwerkraft besiegen sollte, wurde in nullkommanichts beantwortet. Das Foto zeigt eine ganze Newton-Herde kurz vor der Premiere auf der CeBIT 1993. Zehn funktionierende Prototypen wurden nach Hannover geflogen. Im Hotel liefen nur noch acht, auf der Messe nur noch 6. Am Ende der Präsentation nur noch drei. Dabei wurde kein Newton Opfer der Schwerkraft und fiel zu Boden.
Die Frage Nummer 9 wollte eine Antwort darauf wissen, ob das verschwommen fotografierte Nokia Internet-Tablett 770 im Sinne der GEZ ein Internet-PC nach dem achten Änderungsstaatsvertrag vom 8./15.10.2004 Art. 4, § 11 Abs. 2 ist. Antwort also: Na klar, denn es empfängt schon in der Grundeinstellung Radiosendungen von Shoutcast und Accuradio all die Sommerhits, um die ich im WWWW seit Wochen bettele.
Die 10. Frage nach dem Personal Art Translator der momentan in Bonn gastierenden Guggenheim Collection brachte jede Menge Antworten, die alle richtig waren, weil mehrere Dinge im Bild falsch waren: Die Beschreibung auf dem PDA, das falsche Foto von Marie-Therese Walther und die Beschreibung von Peter Lustig/Gregor Gysi als Modell.
Abschließend meinte ein gewisser Weltherrscher, dass er alle Antworten richtig gedacht hatte. Mit vertrackter Logik wäre damit die Frage 11 beantwortet und ich muss eine Schuld einlösen und öffentlich erklären: Der Weltherrscher ist nicht dick. Die Antwort auf Frage 11 ist also, dass beim vierten und letzten Teil des Sommerrätsels wieder einmal die Wetware im Mittelpunkt steht. (Hal Faber) / (anw)