Kritik an Einschränkung von Social-Networking-Diensten
Bildungsexperten kritisieren eine US-Gesetzesvorlage, die den Zugang zu so genanntem Social-Networking-Diensten wie MySpace von öffentlichen Rechnern aus scharf regulieren soll.
Bildungsexperten kritisieren eine US-Gesetzesvorlage, die den Zugang zu so genanntem Social-Networking-Diensten wie MySpace von öffentlichen Rechnern aus scharf regulieren soll. Das US-Repräsentantenhaus hatte den Gesetzesentwurf unter dem Namen "Deleting Online Predators Act of 2006", mit dem Minderjährige vor Gefahren auf kommerziellen Social-Networking-Websites und in Chat-Räumen geschützt werden sollen, vergangene Woche mit 410 zu 15 Stimmen angenommen. Das Gesetz geht nun an den US-Senat. Fachleute aus den Bereichen Bildungstechnologie und Medien sind alarmiert, dass der Gesetzgebungsvorgang überhaupt so weit fortschreiten konnte.
"Das ist ein unglaublich falsches Gesetz, das nach allen Regeln der Vernunft niemals vom Kongress hätte verabschiedet werden dürfen", meint etwa Henry Jenkins, Literaturprofessor am MIT und Leiter des dortigen Programmes für vergleichende Medienwissenschaften. Jenkins ist sich sicher, dass das Gesetz das Unverständnis der Eltern ausnutze, die irrationale Ängste vor den Aktivitäten ihrer Kinder im Internet hätten. "Doch der Preis, diesen Druck durch die Eltern auszuhalten, ist für die Liberalen im Kongress wohl zu hoch", sagt Jenkins.
"Wenn das Gesetz tatsächlich die Kinder schützen würde, wäre das ja okay", meint auch Danah Boyd von der University of California in Berkeley, die als führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet Social Networking gilt. Das abgekürzt DOPA genannte Gesetz helfe überhaupt nichts, sondern werde die gesamte Social-Networking-Industrie lahm legen und die Jugend verstärkt in Arm und Reich unterteilen. Auf lange Sicht, sagt Boyd voraus, dürfte das Gesetz nur dazu führen, dass sich die jungen Leute auf "Underground"-Angeboten träfen, die von den Erwachsenen dann gar nicht mehr zu kontrollieren seien. "Die werden dann von Site zu Site hüpfen, sodass niemand mehr mithalten kann. Nicht mal die Polizei oder die Betreiber solcher Seiten."
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