Kernel-Log: Intels Hibernate-Bug korrigiert
Neue Linux-Versionen beseitigen einen Fehler in Intels Grafiktreiber, der zu Speicherverfälschungen führen kann. AMD hat X.org-Treiber für die neuen Trinity-Prozessoren veröffentlicht. Es gibt einige Fortschritte bei der GPGPU-Unterstützung in Mesa 3D.
- Thorsten Leemhuis
Die am Montagabend freigegebenen Kernel-Versionen 3.0.27, 3.2.14 und 3.3.1 sollten den Fehler beseitigen, durch die es gelegentlich zu Speicherverfälschungen kommt, wenn Systeme mit Intel-Grafik aus dem Ruhezustand (Hibernate/Software Suspend/ACPI S4) aufwachen; bereits zuvor war die Korrektur in die erste Vorabversion von Linux 3.4 eingeflossen, die Linus Torvalds am Wochenende veröffentlicht hat.
Das Problem liegt im DRM/KMS-Treiber i915 und ist schon mindestens ein Jahr alt; betroffen sind vermutlich die meisten Intel-Chipsätze und -Prozessoren für Notebooks und Desktops, die in den letzten fünf bis sieben Jahren gefertigt wurden. Schuld war der Code zum Blinken des Cursors auf der Textkonsole, wie aus dem Commit-Kommentar zur Korrektur hervorgeht. Diese deaktiviert nun beim Wechsel in und aus dem Ruhezustand die für das Blinken zuständige Funktion; die DRM/KMS-Treiber Radeon und Nouveau machen das schon länger so.
Die Freigabe-Mails der neuen Kernel empfehlen nachdrücklich, auf die neuen Versionen zu wechseln – die Verbesserungen und Fehlerkorrekturen stopfen möglicherweise auch Sicherheitslücken, was nicht eigens ausgewiesen wird. Sofern die eigene Distribution noch gepflegt wird, sollte sich allerdings der Distributor um einen korrigierten Kernel kümmern. Das dürften in diesem Falle die meisten Distributoren tun, da das Problem beim i915-KMS/DRM-Treiber nicht nur zu Fehlverhalten, sondern auch zu beschädigten Daten führen kann.
Frische Radeon-Treiber
Mit dem kürzlich von AMD-Entwickler Alex Deucher freigegebenen Treiberpaket xf86-video-ati 6.14.4 unterstützt der X.org-Treiber Radeon die Grafikkerne von Trinity-CPUs, die AMD in den nächsten Monaten vorstellen dürfte. Um den Aruba oder R9xx genannten Grafikkern anzusprechen, benötigt der Treiber DRM/KMS-Unterstützung für Trinity im Kernel; diese wurde vor zwei Wochen vorgestellt und zog kurz darauf in den Hauptentwicklungszweig des Linux-Kernels ein. Zusammen mit der von Deucher veröffentlichten libdrm 2.4.33 und dem Entwicklerzweig von Mesa 3D soll mit diesem zur Northern-Islands-Generation gehörenden Grafikkern auch 3D-Beschleunigung nutzbar sein. Der neue Radeon-Treiber für den X-Server von X.org bringt zudem Unterstützung für 2D-Tiling, was die Grafikperformance etwas verbessern kann; auch diese Funktion erfordert Unterstützung im DRM/KMS-Treiber, die in Linux 3.4 enthalten sein wird.
Ende März hat AMD auch die Version 12.3 seiner proprietären Grafiktreiber freigegeben, die als Catalyst oder Fglrx bekannt sind. Wie häufig gibt das Unternehmen keine Hinweise auf die Neuerungen. Wie ihre Vorgänger arbeitet aber auch diese Version nicht mit dem aktuellen X-Server 1.12 zusammen, der vor einem Monat fertig gestellt wurde.