Smartphone hilft bei Leseschwäche
Forscher aus der Schweiz und Indien arbeiten an Apps, die auch von Menschen genutzt werden könnten, die weder lesen noch schreiben können.
Forscher an der EPFL in Lausanne haben eine SMS-Anwendung für Menschen entwickelt, die weder lesen noch schreiben können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die App hört auf den Namen EasySMS und entstand in Zusammenarbeit mit indischen Forschern. Die Technik erlaubt es, eigene Botschaften zu verfassen, indem Worte aus bereits eingegangen Nachrichten wiederverwendet werden. Dazu bewegt der Nutzer den Finger über ein Wort und kann sich dann seine Bedeutung vorlesen lassen. Anschließend zieht er die Begriffe, die er gerne benutzen möchte, in eine neue Nachricht. Die Anwendung enthält außerdem ein kleines Wörterbuch mit häufig vorkommenden Worten und Wendungen.
Der Projektleiter, der Computerwissenschaftler Hendrik Knoche, will die Technik bald in Indien ausprobieren. Dort begann er vor fünf Jahren in Zusammenarbeit mit örtlichen Agrarwissenschaftlern mit der Installation drahtloser Sensoren, die Daten auf den Anbauflächen sammeln, mit denen Erdnuss-Bauern ihre Ernte verbessern können. Es gab nur ein Problem: Nur wenige von ihnen konnten die Empfehlungen, die das System lieferte, auch lesen. Nun testen die Erdnuss-Farmer eine neuartige Smartphone-Software, die speziell für Menschen mit Analphabetismus entwickelt wurde. Die App zeigt nun die wichtigsten Informationen über den Zustand der Feldfrüchte in Form von Piktogrammen an.
Die neuen Nutzerschnittstellen von Touchscreen-Geräten sind bei dieser und anderen Apps sehr hilfreich. Bei älteren Handys musste man sich stets durch zahlreiche Menüebenen hangeln, bis man die Uhrzeit einstellen oder eine neue SMS senden konnte. Aus diesem Grund merkten sich einige Analphabeten einfach die notwendigen Tastenkürzel. "Das kann ein großes Problem sein", weiß Indrani Medhi von Microsoft Research in Bangalore.
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(bsc)