Alles wird gut

Haben Sie Angst vor der Zukunft? Dann ist alles gut, denn damit befinden Sie sich in guter Gesellschaft.

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Klimawandel? Schuldenkrise? Peak Oil? Dritter Weltkrieg? Alles kein Grund, gleich völlig den Kopf in den Sand zu stecken, meint offenbar eine wachsende Gruppe von Menschen. Der Schriftsteller Paul Raven hat diese Szene in einem Feature für Arc 1.1, einem E-Zine des New Scientist, portraitiert. Er nennt sie “collapsonomic crowd“.

Hübsches Wort, schwer zu übersetzen, aber in seiner unscharfen, nicht übersetzten Form schon recht selbst erklärend. Der „neuen Survival-Szene“ geht es nämlich nicht darum, sich mit Konservendosen und Karabinern im Wald zu verbunkern und da auf das Ende der Welt zu warten. Vielmehr geht es um die Frage, wie ein Prozess deruncivilisation- der Auflösung globaler Zivilisation - organisatorisch und technisch zu bewältigen ist. Das ist eine politische Frage - hängt aber auch ganz eng mit dem intelligenten Gebrauch von Technologie zusammen, wie zum Beispiel einer denzentralen Energieversorgung und dem Aufbau einer dezentralen, offenen Produktionsinfrastruktur (zum Beispiel in FabLabs).

Spannend, wie optimistisch die neuen Techno-Pessimisten dabei im Grunde sind. Und wie sie sich von den alten Technik-Optimisten unterscheiden: Vernor Winge beispielsweise, befĂĽrchtet ebenfalls einen Zivilisation-Kollaps, sieht aber ein ganz anderes Szenario.

Der Mathematiker und Science-Fiction-Autor gilt als Erfinder der Idee von der „technischen Singularität“. Das ist ein Punkt in der Zukunft, nach dem sich keinerlei Vorhersagen mehr über den weiteren Verlauf der Zukunft gemacht werden können - zum Beispiel weil wir künstliche Intelligenzen bauen können, die ihrerseits wieder künstliche Intelligenzen hervorbringen.

Eigentlich ist das eine ziemlich beängstigende Idee, die Vinge damals in die Welt gesetzt hat, und tatsächlich hat sie eine Reihe von ziemlich pessimistischen Szenarien hervorgebracht - unter anderem die Idee, dass auch sich selbst replizierende Nanomaschinen komplett aus dem Ruder laufen könnten und sich einen Dreck darum scheren, was wir Menschen eigentlich mit der Erde machen wollen.

Aber der Mann bleibt unerschütterlich optimistisch: Im März hatte er dem Magazin Wired jedenfalls ein Interview gegeben, in dem er erklärt, dass selbst nach einem globalen Kollaps die Chancen gut stehen, dass sich die Menschheit wieder erholt. Denn irgendwo auf der Erde werden auch nach einem globalen Zusammenbruch noch genügend Menschen übrig bleiben, die zumindest auf Technologie Zugriff haben, die dem Stand des 18. oder 19. Jahrhunderts entspricht. Und das reicht halt, um wieder von vorne anzufangen. Bis zum nächsten Crash.

(wst)