Nordhessen empfangen Privatsender nur noch per Kabel und Satellit

Zur Ablösung des bisherigen Antennenfernsehens sahen die Pläne eigentlich die Einführung des terrestrischen Digitalfernsehens vor. Daran haben die Privatsender in Nordhessen aber kein Interesse.

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  • Michael Evers
  • dpa

Das war so im Programm eigentlich nicht vorgesehen: Nordhessische Fernsehzuschauer ohne Kabelanschluss oder Satellitenschüssel können die privaten Fernsehsender von kommender Woche an nicht mehr empfangen. Die Privatsender schalten die Übertragung für Zuschauer mit Dach- oder Zimmerantenne in der Nacht zum 18. April endgültig ab, wie die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) in Kassel am Donnerstag mitteilte. Betroffen seien rund 5500 Haushalte. Zur Ablösung des bisherigen Antennenfernsehens sahen die Pläne eigentlich die Einführung des terrestrischen Digitalfernsehens über DVB-T vor. Daran haben die Privatsender in Nordhessen aber kein Interesse.

Nach der erfolgreichen Einführung von DVB-T im Rhein-Main-Gebiet im vergangenen Herbst war die Ernüchterung groß, als die Privatsender das Projekt in Nordhessen vor knapp vier Wochen abblitzen ließen. Aus Kostengründen ist die Investition in die neue Technik für die Privatsender außerhalb großer Ballungsgebiete unrentabel, da sie dadurch nicht nennenswert mehr Zuschauer erreichen. Denn DVB-T löst das herkömmliche Antennenfernsehen ab, das ohnehin nur noch von rund fünf Prozent der Fernsehzuschauer genutzt wird.

Notfalls starte das Digitalfernsehen in Nordhessen eben nur mit den öffentlich-rechtlichen Programmen, erklärten das Land und der Hessische Rundfunk, die beide gleichermaßen an einer flächendeckenden Einführung der Zukunftstechnik interessiert sind. Versuche der Landesregierung, die Privaten zu einem Einlenken zu bewegen, blieben zunächst aber ohne Resultat, wie Regierungssprecher Dirk Metz sagte. Wie die LPR am Donnerstag mitteilte, ließen aktuelle Erklärungen der Privatsender einen Einstieg in das Digitalfernsehen in Nordhessen auch in Zukunft nicht erwarten.

Je länger das Tauziehen um das Digitalfernsehen in Nordhessen andauert, desto kleiner könnte die Zahl der künftigen Nutzer der Technik werden: Wer von kommender Woche an auf Programme der privaten Sender verzichten muss, wird sich über einen Kabelanschluss oder eine Satellitenschüssel schnell Gedanken machen. Zuschauern aber, die vor allem öffentlich-rechtliche Programme sehen, kann die ab Ende 2005 -- auch ohne die Privaten -- geplante Umstellung indes eine neue Programmvielfalt bescheren. Die Zahl der über DVB-T verbreiteten öffentlich-rechtlichen Sender nämlich wird deutlich größer sein als beim bisherigen Antennenfernsehen. (Michael Evers, dpa) / (jk)