Öko-Institut: Kernkraft trägt nur wenig zum Klimaschutz bei
Der Nuklear-Experte Michael Sailer sieht einen zu geringen weltweiten Anteil an der Primärenergie, um eine Wirkung zu haben.
Michael Sailer, Nuklear-Experte am Öko-Institut und Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission des Bundesumweltministeriums, sieht im Ausbau der Atomenergie nur wenig Potenzial für den Klimaschutz. "An der Primärenergie, die ja nur einen Teil des Klimawandelproblems darstellt, hat die Kernenergie einen weltweiten Anteil von gerade mal rund 6 Prozent", sagte der Wissenschaftler im Interview mit der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review. Sollte die Kernkraft einen nennenswerten Anteil haben, müsste man sie deutlich ausbauen – also die Anzahl der Kernkraftwerke weltweit von derzeit zirka 440 auf 1000 oder 2000 erhöhen. "Das geht weder technisch noch finanziell. Das Risiko steigt außerdem, wenn neue Kernkraftwerke in politischen Risikogebieten gebaut werden."
Auch wenn die Kernkraft in einigen EU-Ländern einen höheren Anteil habe, sei die weltweite Betrachtung für den Klimaschutz entscheidend. "Ein Problem ist, dass sie beispielsweise eine Verdopplung nicht schnell genug hinbekommen würden. Mit Planungs- und Bauzeiten müssen sie ab der Entscheidung für ein Kernkraftwerk mindestens 15 Jahre einrechnen, bis die neue Anlage steht", sagte Sailer. Das könne man mit anderen Technologien schneller hinbekommen.
Das ganze Interview mit Michael Sailer in Technology Review online:
(bsc)