Medien: Machtkampf bei der Telekom
Jüngsten Berichten zufolge nimmt der Druck auf Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zu. Vorstandskollege Karl-Gerhard Eick soll Ambitionen auf den Chefsessel haben.
Kai-Uwe Ricke ist unter Druck. Nach Vorlage der enttäuschenden Quartalszahlen muss der Telekom-Chef nun offenbar um seinen Posten fürchten. Glaubt man jüngsten Medienberichten, bringt sich bereits der erste Vorstandskollege für die Nachfolge ins Gespräch. Die Wirtschaftswoche will aus dem Management des Ex-Monopolbetriebs erfahren haben, dass Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick Ambitionen auf den Chefsessel hat. Danach will Eick seinen Chef trotz aller "öffentlichen Loyalitätsbekundungen" lieber heute als morgen beerben.
Der Finanzvorstand sei "extrem ehrgeizig" und wolle "unbedingt Konzernchef werden", zitiert das Blatt einen ungenannten Telekom-Manager. Eick hatte schon bei der Suche nach einem Nachfolger für den ehemaligen Telekom-Chef Ron Sommer als aussichtsreicher Kandidat gegolten, dann aber gegen Ricke den Kürzeren gezogen. Seine Chancen auf den Chefsessel sind offenbar auch diesmal nicht viel besser. Wie das Blatt aus Kreisen des Aufsichtsrates gehört hat, werde bei Rickes Abgang Eick "nicht automatisch" nachrücken. Sollte Eick im Falle des Falles erneut übergangen werden, will er die Telekom offenbar verlassen. Wenn er nicht Chef bei der Telekom werde, dann eben bei einem anderen Konzern, steckte der anonyme Tippgeber der Zeitung. Einer Verlängerung seines im kommenden Jahr auslaufenden Vertrages wolle Eick nicht zustimmen. Ein Telekom-Sprecher teilte dazu mit, Eick habe die Berichte als "Unsinn" zurückgewiesen. Weiter will das Unternehmen die Gerüchte nicht kommentieren.
Auch Rickes Vertrag läuft im November 2007 aus. Anderen Medienberichten zufolge gibt es auch in Aktionärskreisen Spekulationen um seine Ablösung. Niemand könne sich vorstellen, dass Rickes Vertrag noch einmal verlängert werde, heißt es. Vor allem der im April mit 2,68 Milliarden Euro eingestiegene US-Investor Blackstone dränge auf die Demission des Vorstandschefs. Auch die Positionen von T-Com-Chef Walter Raizner und Lothar Pauly, dem Chef der Geschäftskundensparte, stehen den Berichten zufolge zur Debatte. Der Aufsichtsrat suche nach Alternativen, heißt es, auf der nächsten Sitzung im September solle das Thema auf die Tagesordnung. Bisher hat sich das oberste Kontrollgremium von den Gerüchten um eine angeblich bevorstehende Ablösung Rickes erstaunt gezeigt.
Doch Ricke hat offenbar auch Fürsprecher. Vertreter institutioneller Investoren stärkten dem Telekom-Boss im Handelsblatt den Rücken. Ein personeller Wechsel sei das Letzte, was die Telekom jetzt brauche, sagte Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der Fondgesellschaft DWS, der Zeitung. Dem pflichtet ein Fondsmanager der Union Investment bei. Die Personaldebatte sei völlig verfrüht, erklärte Andreas Mark, man könne nicht gleich den Chef auswechseln, wenn es mal ein paar Monate schlecht läuft. (vbr)